Zur Wissensdatenbank

Fundamentales vs. technisches Screening: Welcher Ansatz passt zu Ihnen?

Anleitungen
10 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Fundamentales vs. technisches Screening: Welcher Ansatz passt zu Ihnen?

Fundamentales Screening sucht nach Aktien, deren Bewertung, Wachstum, Profitabilität oder Bilanzkennzahlen zu einer unternehmensbasierten Investmentthese passen, während technisches Screening nach Aktien sucht, deren Trend, Momentum oder chartbasierte Signale zu einer marktverhaltensbasierten These passen.

Viele Anleger sprechen über Fundamentaldaten und Technik, als wären es zwei konkurrierende Weltanschauungen. In der Praxis sind es zwei verschiedene Arten, dem Markt eine Frage zu stellen. Fundamentales Screening fragt: „Wirkt dieses Unternehmen auf Basis der Geschäftszahlen attraktiv?“ Technisches Screening fragt: „Zeigt das Kursverhalten der Aktie gerade ein Setup, das Aufmerksamkeit verdient?“

Dieser Unterschied ist wichtig, weil beide Ansätze unterschiedliche Kandidaten sichtbar machen. Eine fundamental günstige Aktie kann monatelang weiter fallen, wenn das Preismomentum schwach bleibt. Eine technisch starke Aktie kann dennoch ein schlechtes Langfrist-Investment sein, wenn Gewinnqualität oder Bewertung sich verschlechtern. Der bessere Workflow besteht darin, zuerst das eigentliche Problem zu klären und dann die Filter passend dazu auszuwählen.

Kurz gesagt: Fundamentale Screens starten mit Unternehmenskennzahlen wie KGV, ROE, Umsatzwachstum, Margen oder Verschuldung. Technische Screens starten mit kursbasierten Indikatoren wie RSI, gleitenden Durchschnitten, 52-Wochen-Spanne oder relativer Stärke. In ScreenerHub helfen Fundamentaldaten vor allem bei der Frage, was Sie besitzen möchten; Technik hilft eher bei der Frage, wann ein Setup interessant wird. Viele Anleger erzielen die besten Ergebnisse, wenn sie beide Ansätze nacheinander statt gegeneinander einsetzen.


Was ist der eigentliche Unterschied zwischen fundamentalem und technischem Screening?

Fundamentales Screening ist auf die wirtschaftliche Realität eines Unternehmens ausgerichtet. Es geht davon aus, dass Geschäftsergebnisse, Bilanzstärke, Profitabilität und Bewertung langfristig den größten Unterschied machen.

Technisches Screening ist auf das Marktverhalten ausgerichtet. Es geht davon aus, dass Kursverlauf, Trend, Momentum und Handelsspannen nützliche Informationen darüber liefern, was Käufer und Verkäufer gerade tun.

AnsatzErste FrageTypische StartfilterHauptrisiko
FundamentalIst dieses Unternehmen auf Basis der Zahlen attraktiv?KGV, ROE, Umsatzwachstum, Margen, VerschuldungGünstige oder starke Value Traps zu finden
TechnischIst das Kursverhalten der Aktie gerade interessant?RSI, SMA/EMA, 52-Wochen-Hoch/Tief, Relative StärkeMomentum ohne ausreichenden Geschäftskontext zu jagen
KombiniertIst das Unternehmen attraktiv und das Setup brauchbar?Zuerst fundamentale, dann technische FilterDen Screen zu früh zu kompliziert zu machen

Der wichtige Punkt ist: Keiner der beiden Ansätze ist automatisch „richtiger“. Sie beantworten unterschiedliche Fragen. Fundamentale Anleger interessieren sich dafür, ob ein Unternehmen Kapital verdient. Technische Anleger interessieren sich dafür, ob der Markt eine These gerade durch Preisverhalten bestätigt oder schwächt.

Wenn Sie zuerst den allgemeinen Workflow-Unterschied klären möchten, lesen Sie Stock-Screening vs. Aktienanalyse. Wenn Sie bereits wissen, dass Sie chartorientiert arbeiten wollen, ist Wie Sie technische Filter nutzen der logische nächste Schritt nach diesem Artikel.


Wonach ein fundamentaler Screen sucht

Ein fundamentaler Screen versucht, Unternehmen zu identifizieren, deren wirtschaftliche Eigenschaften zu einem bestimmten Investmentstil passen. Das kann Value, Qualität, Wachstum, Dividendenfokus oder eine Mischung daraus sein.

In der Praxis kombinieren die meisten brauchbaren fundamentalen Screens drei Ebenen.

1. Bewertungs- oder Wachstumsanker

Das ist die erste Linse. Sie entscheiden, ob Sie nach günstiger Bewertung, Unternehmenswachstum oder beidem suchen.

  • KGV unter 15 bis 20 für value-orientierte Screens
  • Umsatzwachstum über 10 % bis 15 % für growth-orientierte Screens
  • Price-to-Book oder EV/EBITDA für sektorspezifische Value-Arbeit

2. Bestätigung der Unternehmensqualität

Gute Investoren bleiben selten bei nur einer Kennzahl stehen. Häufig kommen Qualitätsfilter hinzu, zum Beispiel:

  • ROE über 10 %
  • Nettomarge über 5 %
  • Positiver freier Cashflow oder konstante Gewinne

3. Kontrolle des Finanzrisikos

Selbst gute Unternehmen können zu schlechten Investments werden, wenn Verschuldung oder Fragilität zu hoch sind.

  • Debt-to-Equity unter 0,8 bis 1,0
  • Current Ratio über 1,2, wo es sinnvoll ist
  • Mindestgrößen bei der Marktkapitalisierung, um das schwächste Small-Cap-Rauschen auszufiltern
Fundamentale FiltergruppeTypische SchwelleWarum sie in den Screen gehört
Bewertung oder WachstumNiedrige Multiples oder starkes WachstumDefiniert die Investmentidee
QualitätGesunde Renditen oder MargenReduziert schwache Unternehmen, die nur billig aussehen
FinanzrisikoBeherrschbare Schulden und GrößeVerbessert Stabilität und Screen-Qualität

Das Ergebnis ist eine Shortlist von Unternehmen, die auf Basis ihrer Kennzahlen eine genauere Analyse verdienen könnten. Deshalb ist fundamentales Screening meist der bessere Startpunkt für langfristige Anleger, Value-Investoren, Dividendenanleger und alle, die einen wiederholbaren unternehmensbasierten Prozess aufbauen wollen.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - fundamentaler Screen mit sichtbaren Filtern fuer P/E Ratio, ROE, Net Profit Margin, Debt-to-Equity und Market Cap] -->

Direkt ausprobieren: Starten Sie mit einer unternehmensbasierten Shortlist. Öffnen Sie ScreenerHub Studio mit vorausgewähltem P/E-Ratio-Filter, und ergänzen Sie dann ROE, Net Profit Margin und Debt-to-Equity im selben Screen.


Wonach ein technischer Screen sucht

Ein technischer Screen versucht, Aktien zu identifizieren, deren Kursverhalten auf Trendstärke, Schwäche, Umkehrrisiko oder Momentumfortsetzung hindeutet. Im Fokus steht nicht, was das Unternehmen auf dem Papier wert ist. Im Fokus steht, was der Markt gerade mit der Aktie macht.

Die meisten praktischen technischen Screens kombinieren ebenfalls drei Ebenen.

1. Trendrichtung

Hier geht es darum, ob der breitere Kurstrend überhaupt intakt ist.

  • Kurs über dem 50-Tage-SMA
  • Kurs über dem 200-Tage-SMA
  • 50-Tage-SMA über dem 200-Tage-SMA zur Bestätigung des langfristigen Trends

2. Momentum- oder Erschöpfungssignal

Diese Ebene hilft einzuordnen, ob eine Bewegung noch frisch, bereits weit gelaufen oder schon überdehnt ist.

  • RSI zwischen 55 und 70 für starkes Momentum
  • RSI unter 30 für überverkaufte Mean-Reversion-Setups
  • Relative Stärke für Leadership-Screens

3. Kontextfilter

Auch technische Screens brauchen Leitplanken. Sonst füllen sie sich schnell mit illiquiden oder qualitativ schwachen Namen.

  • Marktkapitalisierung über $500M oder $1B
  • Mindestanforderungen an Volumen oder Liquidität
  • Gelegentlich ein einfacher fundamentaler Filter wie positives Umsatzwachstum
Technische FiltergruppeTypische SchwelleWarum sie in den Screen gehört
TrendÜber wichtigen DurchschnittslinienBestätigt die Kursrichtung
MomentumRSI oder Relative StärkeZeigt, ob Käufer oder Verkäufer dominieren
LeitplankenGröße, Liquidität, QualitätHält die Ergebnisse handelbar und sauber

Das Ergebnis ist eine Shortlist von Aktien, deren Marktverhalten gerade interessant ist. Deshalb ist technisches Screening besonders nützlich für Momentum-Investoren, Swing-Trader, Trendfolger und auch für langfristige Anleger, die vor einem Einstieg noch eine Timing-Ebene ergänzen möchten.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - technischer Screen mit sichtbaren Filtern fuer RSI, Price vs 50-day SMA, Price vs 200-day SMA und Market Cap] -->

Direkt ausprobieren: Starten Sie mit der Kursverhaltens-Seite. Öffnen Sie ScreenerHub Studio mit vorausgewähltem RSI-Filter, und ergänzen Sie dann Price vs 50-day SMA, Price vs 200-day SMA und Market Cap.


Fundamentale und technische Filter im direkten Vergleich

Am einfachsten erkennen Sie den Unterschied, wenn Sie vergleichen, was jeder Ansatz überhaupt bestätigen will.

Wenn Sie screenen nach...Starten Sie mit diesen FilternErgänzen Sie diese BestätigungsfilterVermeiden Sie diesen Fehler
Fundamentalen KandidatenKGV, ROE, Umsatzwachstum, Margen, VerschuldungMarktkapitalisierung, Sektor, Dividenden- oder Cashflow-ChecksGünstig oder profitabel automatisch für rechtzeitig zu halten
Technischen KandidatenRSI, gleitende Durchschnitte, Relative Stärke, 52-Wochen-SpanneVolumen, Marktkapitalisierung, eine QualitätsleitplankeEin starkes Chart automatisch für ein starkes Unternehmen zu halten
Kombiniertem WorkflowErst Fundamentaldaten, dann TechnikEin Timingsignal nach der ShortlistZwölf Filter auf einmal zu mischen und nur Rauschen zu erzeugen

Diese Gegenüberstellung zeigt auch, warum viele Anleger am Ende beide Seiten kombinieren, statt sich dauerhaft für ein Lager zu entscheiden.

  • Starten Sie mit Fundamentaldaten, wenn Sie vor allem Unternehmen finden möchten, die Sie besitzen wollen.
  • Starten Sie mit Technik, wenn Sie vor allem ein handelbares Setup für den aktuellen Moment suchen.
  • Nutzen Sie beides nacheinander, wenn Sie erst Geschäftsqualität und dann Timing wollen.

Wenn Sie einen langfristigen Value-Workflow aufbauen, ist Wie man nach Value-Aktien screent die beste Anschlusslektüre. Wenn Sie die chartorientierte Variante suchen, lesen Sie anschließend Wie Sie technische Filter nutzen.


2 Screens, die Sie sofort bauen können

Hier sind zwei saubere Start-Screens, die Sie in ScreenerHub in weniger als einer Minute nachbauen können.

Screener 1: Fundamentale Business-Shortlist

FilterOperatorWert
P/E RatioKleiner als18
ROEGrößer als10 %
Net Profit MarginGrößer als5 %
Debt-to-EquityKleiner als0,8
Market CapGrößer als$1B

Warum das funktioniert: Dieses Setup beginnt mit Bewertung und Qualität und entfernt danach fragile Bilanzen sowie sehr kleine Unternehmen. Es ist ein guter Startpunkt für Anleger, denen wichtiger ist, was das Unternehmen ist, als was der Chart in dieser Woche gemacht hat.

Screener 2: Technische Trend-und-Momentum-Shortlist

FilterOperatorWert
RSI (14 Tage)Zwischen55-70
Price vs 50-day SMAOberhalb-
Price vs 200-day SMAOberhalb-
Market CapGrößer als$1B
Revenue GrowthGrößer als0 %

Warum das funktioniert: Dieses Setup startet mit Momentum und Trendbestätigung und ergänzt dann zwei Leitplanken, damit die Ergebnisse nicht rein spekulativ werden. Es ist ein guter Anfang, wenn Sie technische Stärke suchen, aber offensichtliche Low-Quality-Namen vermeiden möchten.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - Gegenueberstellung eines business-first Screens und eines trend-first Screens] -->


Welcher Ansatz passt zu Ihrem Ziel?

Es gibt keinen universellen Sieger zwischen fundamentalem und technischem Screening. Die bessere Frage lautet, welcher Ansatz zu Ihrem Zeithorizont, Ihrem Entscheidungsstil und Ihrem eigentlichen Engpass passt.

Wenn Ihre Priorität ist...Fundamental ist oft der bessere StartTechnisch ist oft der bessere Start
Verstehen, was ein Unternehmen wert istJaNein
Einstiege und Ausstiege besser timenManchmalJa
Eine langfristige Watchlist aufbauenJaManchmal
Trendstärke folgenNeinJa
Value Traps mit besserem Timing reduzierenJa, dann Technik ergänzenManchmal
Kürzerfristige Setups handelnSeltenJa

Viele Anleger nutzen auch einen hybriden Prozess. Sie beginnen mit einer fundamental starken Shortlist und prüfen danach, ob der Chart genug Momentum oder Support liefert, um aktiv zu werden. Diese Reihenfolge funktioniert meist besser, als beide Philosophien in einen überoptimierten Master-Screen zu zwingen.

Wenn Sie einen produktnahen nächsten Schritt möchten, lesen Sie zuerst So lesen Sie Ihre Screener-Ergebnisse und wechseln Sie danach entweder zu Find Momentum Stocks Using Trend Strength oder Systematically Find Value Stocks, je nachdem, welche Seite besser zu Ihnen passt.


Häufige Fehler beim Vergleich von fundamentalem und technischem Screening

  1. Beide Ansätze als Gegner statt als Werkzeuge zu behandeln. Sie beantworten unterschiedliche Fragen, daher ist ein sequenzieller Workflow oft besser als ein ideologischer.
  2. Nur Technik bei Unternehmen zu nutzen, die Sie nicht verstehen. Ein starkes Chart schützt nicht vor schwachen Bilanzen oder fallenden Gewinnen.
  3. Nur Fundamentaldaten ohne Timing-Bewusstsein zu verwenden. Eine Aktie kann viel länger günstig oder schwach bleiben als erwartet, wenn das Kursmomentum weiter kippt.
  4. Zu viele Filter zu früh zu mischen. Deep Value, hohes Wachstum, hohes Momentum, niedrige Schulden, hohe Dividende und mehrere Chartsignale gleichzeitig führen im ersten Pass meist zu Rauschen.
  5. Den Sektorkontext zu ignorieren. Technische Stärke in einem Sektor und Bewertungsgünstigkeit in einem anderen bedeuten nicht dasselbe.

Häufig gestellte Fragen

Ist fundamentales Screening besser als technisches Screening?

Nicht grundsätzlich. Fundamentales Screening ist meist besser für unternehmensbasierte und langfristige Investoren, weil es Firmen mit attraktiver Bewertung, Qualität, Wachstum oder Einkommensprofil identifiziert. Technisches Screening ist meist besser für Timing- und Momentum-Workflows, weil es zeigt, was der Markt gerade belohnt oder abstraft.

Kann ich fundamentale und technische Filter in einem Screener kombinieren?

Ja, aber die meisten Anleger erhalten sauberere Ergebnisse, wenn sie beides nacheinander einsetzen. Starten Sie mit wenigen fundamentalen Filtern, um eine Shortlist zu bauen, und ergänzen Sie danach ein oder zwei technische Filter wie RSI oder Kurs über dem 200-Tage-SMA, um das Timing zu verbessern. Das ist in der Regel besser lesbar als ein riesiger Screen mit allem gleichzeitig.

Was ist der einfachste fundamentale Screen für Einsteiger?

Starten Sie mit P/E Ratio unter 18, ROE über 10 % und Debt-to-Equity unter 0,8. Damit haben Sie einen Bewertungsfilter, einen Qualitätsfilter und einen Risikofilter. Market Cap können Sie später ergänzen, wenn Sie kleinere und unruhigere Namen herausfiltern möchten.

Was ist der einfachste technische Screen für Einsteiger?

Starten Sie mit Kurs über dem 200-Tage-SMA und RSI zwischen 50 und 70. So erhalten Sie einen langfristigen Trendfilter und einen Momentumfilter, ohne zu aggressiv zu werden. Market Cap oder ein einfaches Umsatzwachstum können Sie danach ergänzen, wenn die Ergebnisliste zu verrauscht wirkt.

Sollten langfristige Anleger technische Screens überhaupt beachten?

Meist ja, aber eher als unterstützende Ebene statt als Ersatz für Fundamentaldaten. Langfristige Anleger können technische Filter nutzen, um offensichtliche Abwärtstrends zu meiden, besseres Momentum zu erkennen oder zu entscheiden, wann eine fundamental starke Aktie einen genaueren Blick verdient.

Bereit, beide Ansätze selbst zu testen? Öffnen Sie ScreenerHub Studio mit P/E Ratio für eine business-first Shortlist und bauen Sie danach einen zweiten Screen mit RSI als chart-first Startpunkt.