Wie du einen Multi-Faktor-Aktien-Screen erstellst
Ein Multi-Faktor-Aktien-Screen ist eine Screener-Konfiguration, die mehrere unabhaengige Renditetreiber kombiniert, typischerweise Bewertung, Qualitaet, Wachstum, Momentum und eine Risikokontrolle, sodass kein einzelner Faktor das Ergebnis allein bestimmt und die Shortlist ueber verschiedene Marktphasen hinweg robuster wird.
Ein Single-Faktor-Screen wie "niedrigstes KGV" oder "hoechstes Umsatzwachstum" scheitert auf vorhersehbare Weise. Guenstige Aktien koennen aus guten Gruenden guenstig sein. Schnelle Wachstumswerte koennen fragil oder extrem teuer sein. Ein Multi-Faktor-Screen vermeidet diese Falle, indem er verlangt, dass eine Aktie mehrere unterschiedliche Tests gleichzeitig besteht, die jeweils etwas anderes messen.
Diese Anleitung zeigt, wie du in ScreenerHub einen vollstaendigen Multi-Faktor-Screen entwirfst und baust. Am Ende hast du einen gespeicherten Screener, der Bewertungs-, Qualitaets-, Wachstums- und Risikofilter so verbindet, dass du ihn erneut ausfuehren und ueber die Zeit verfeinern kannst.
Kurzfassung: Lege vier bis fuenf Faktoren fest, die jeweils etwas anderes messen (zum Beispiel Value, Qualitaet, Wachstum, Momentum und eine Risikokontrolle), waehle pro Faktor eine gut verstandene Kennzahl, definiere einen klaren Schwellenwert und baue den Screen anschliessend in ScreenerHub Studio, speichere ihn und ueberpruefe ihn in einem festen Rhythmus. Wenn du dich generell noch mit dem Kombinieren von Filtern beschaeftigst, lies zuerst Wie du Filter im Aktien-Screener kombinierst.
Was "Multi-Faktor" wirklich bedeutet
Ein Faktor ist eine messbare Eigenschaft, die historisch einen relevanten Teil der Aktienrenditen erklaert hat. Multi-Faktor-Investing kombiniert mehrere solcher Eigenschaften in einem Auswahlprozess, weil eine breit gestreute Faktor-Kombination zuverlaessiger ist als ein einzelner Faktor.
Die am besten erforschten Faktoren lassen sich sauber auf Screener-Filter abbilden:
| Faktor | Was er erfasst | Beispielkennzahlen |
|---|---|---|
| Value | Einen angemessenen Preis fuer die Fundamentaldaten | KGV, EV/EBITDA, Kurs-Buchwert |
| Qualitaet | Profitabilitaet und Kapitaleffizienz | ROE, ROIC, Nettomarge |
| Wachstum | Das Geschaeft wird tatsaechlich groesser | Umsatzwachstum, EPS-Wachstum, CAGR |
| Momentum | Der Markt stimmt zumindest tendenziell schon zu | Relative Staerke, Gleitende Durchschnitte, RSI |
| Low Risk | Das Unternehmen ist finanziell nicht fragil | Debt/Equity, Current Ratio, Beta |
| Groesse | Das Universum, in dem du investieren willst | Marktkapitalisierung, Float, Liquiditaet |
Ein Multi-Faktor-Screen verwendet typischerweise eine Kennzahl pro Faktor, nicht drei. Es geht um Breite ueber Faktoren hinweg, nicht um Tiefe innerhalb eines Faktors.
Multi-Faktor vs. einfache Filter-Kombination
Ein Multi-Faktor-Screen wird leicht mit irgendeinem Screen mit vielen Filtern verwechselt. Das ist nicht dasselbe.
| Aspekt | Generischer Multi-Filter-Screen | Echter Multi-Faktor-Screen |
|---|---|---|
| Filterauswahl | Beliebige Kennzahlen, die sinnvoll wirken | Eine Kennzahl pro vordefiniertem Faktor |
| Redundanz | Oft mehrere aehnliche Kennzahlen (z. B. 3 Bewertungsfilter) | Jeder Filter misst einen anderen Renditetreiber |
| Schwellenwerte | Ad hoc gewaehlt | So gewaehlt, dass jeder Faktor "gut genug" ist, nicht extrem |
| Robustheit | Empfindlich gegenueber einer einzelnen strengen Bedingung | Uebersteht es, wenn ein Faktor zeitweise enttaeuscht |
| Wiederholbarkeit | Wird oft komplett neu gebaut | Als wiederverwendbarer Screener gespeichert und im Rhythmus geprueft |
Wenn du am Ende fuenf Filter hast, die alle Bewertung beschreiben, hast du einen strengen Bewertungs-Screen, keinen Multi-Faktor-Screen. Ein echter Multi-Faktor-Screen wuerde vier davon durch Filter fuer Qualitaet, Wachstum, Momentum und Risiko ersetzen.
Eine Referenz-Konfiguration fuer einen Multi-Faktor-Screen
Das ist eine ausgewogene, einsteigerfreundliche Multi-Faktor-Konfiguration. Sie ist bewusst moderat gehalten, damit kein einzelner Schwellenwert dominiert.
| Faktor | Filter | Operator | Wert |
|---|---|---|---|
| Groesse | Marktkapitalisierung | Groesser als | 1 Mrd. USD |
| Value | KGV | Kleiner als | 20 |
| Qualitaet | ROIC | Groesser als | 10 % |
| Wachstum | Umsatzwachstum YoY | Groesser als | 6 % |
| Momentum | Kurs vs. 200-Tage-SMA | Darueber | — |
| Low Risk | Debt/Equity | Kleiner als | 1,0 |
Warum das funktioniert:
- Groesse entfernt duenn gehandelte Titel, die du ohnehin meist nicht halten willst.
- Value haelt den Einstiegspreis diszipliniert, ohne Deep-Value zu fordern.
- Qualitaet filtert guenstige, aber schwache Geschaefte heraus, eine klassische Value-Falle.
- Wachstum bestaetigt, dass sich das Geschaeft entwickelt, nicht nur statistisch billig ist.
- Momentum zeigt, dass der Markt die These nicht vollstaendig ablehnt.
- Low Risk haelt die Bilanz in einem verteidigbaren Bereich.
Am besten geeignet fuer: Anleger, die eine stabile, breit anwendbare Shortlist investierbarer Kandidaten ueber Sektoren hinweg wollen, ohne sich auf einen reinen Stil (Value oder Wachstum) festzulegen.
<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - Multi-Faktor-Screen mit Marktkapitalisierung, KGV, ROIC, Umsatzwachstum, 200-Tage-SMA und Debt/Equity, sichtbare Trefferzahl] -->
Schritt fuer Schritt: Den Screen in ScreenerHub bauen
Die Reihenfolge der Filter ist wichtig. Wenn du mit dem breitesten Filter beginnst, kannst du beobachten, wie die Trefferzahl bei jedem Schritt sinnvoll schrumpft.
Schritt 1: Definiere die Faktoren, bevor du das Studio oeffnest
Notiere die vier bis sechs Faktoren, die der Screen erzwingen soll. Fuer die Referenz oben sind das: Groesse, Value, Qualitaet, Wachstum, Momentum, Low Risk.
Dieser Schritt ist kurz, aber wichtig. Wenn du direkt im Studio startest, waehlst du Kennzahlen eher nach Vertrautheit als nach Faktor-Abdeckung aus.
Schritt 2: Starte mit dem Groessen- und Universumsfilter
Oeffne ScreenerHub Studio und fuege zuerst Marktkapitalisierung > 1 Mrd. USD hinzu. Das grenzt das globale Universum auf investierbare, ausreichend liquide Titel ein, bevor du engere Fundamentalschwellen anwendest.
<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - nur Marktkapitalisierungs-Filter aktiv, Trefferliste noch breit] -->
Schritt 3: Fuege den Value-Faktor hinzu
Ergaenze KGV < 20. Das ist der Anker der These: Du jagst Wachstum nicht zu jedem Preis. Wenn KGV fuer dein Universum nicht passt (etwa wenn du nicht profitable Wachstumstitel einbeziehst), nimm stattdessen EV/Umsatz oder EV/EBITDA.
Schritt 4: Fuege den Qualitaetsfaktor hinzu
Ergaenze ROIC > 10 %. Qualitaet trennt echte Geschaefte von bilanzieller Guenstigkeit. ROIC ist besonders informativ, weil er die tatsaechlich eingesetzte Kapitalbasis beruecksichtigt. ROE oder Nettomarge sind gueltige Alternativen.
Schritt 5: Fuege den Wachstumsfaktor hinzu
Ergaenze Umsatzwachstum YoY > 6 %. Wachstum bestaetigt, dass das Geschaeft nicht nur statistisch guenstig ist, weil es schrumpft. Sechs Prozent sind bewusst moderat; 15 oder 20 % wuerden den Screen Richtung reinem Wachstumsstil kippen und die Faktor-Diversifikation reduzieren.
Schritt 6: Fuege den Momentum-Faktor hinzu
Ergaenze Kurs ueber dem 200-Tage-SMA. Das ist ein einfacher, gut verstandener Momentum-Check. Er schliesst Aktien in anhaltenden Abwaertstrends aus, die oft fundamentale Disconnects haben, die du noch nicht verstehst. RSI zwischen 45 und 70 ist eine gueltige Alternative, wenn du einen Oszillator bevorzugst.
Schritt 7: Fuege die Risikokontrolle hinzu
Ergaenze Debt/Equity < 1,0. Dieser einzelne Filter eliminiert einen grossen Teil fragiler Bilanzen, ohne uebermaessig restriktiv zu sein. Wenn dein Universum Finanzwerte enthaelt, ersetze ihn besser durch Zinsdeckung, da Debt/Equity bei Banken weniger aussagekraeftig ist.
Schritt 8: Speichere den Screen
Wenn die Filterliste komplett ist, speichere den Screener unter einem aussagekraeftigen Namen wie "Multi-Faktor-Kern — Value + Qualitaet + Wachstum". Der gespeicherte Screen ist die Einheit, die du ueber die Zeit verfeinerst. Wenn du die Mechanik brauchst, siehe Wie du einen Screener speicherst.
Schritt 9: Uebernimm die staerksten Namen in eine Watchlist
Verschiebe die besten Kandidaten in eine Watchlist, damit du beobachten kannst, ob die Faktor-Werte ueber Wochen und Quartale stabil bleiben, nicht nur am Tag, an dem du den Screen gebaut hast.
Wie du den Screen anpasst, ohne ihn zu zerstoeren
Multi-Faktor-Screens degradieren auf zwei vorhersehbare Arten. Entweder werden sie zu streng und liefern fast nichts, oder sie driften zu einem einzelnen Stil, weil ein Schwellenwert immer weiter angezogen wird. Ein paar Gewohnheiten helfen.
Ziehe jeweils nur einen Faktor an
Wenn die Trefferliste zu lang ist, ziehe einen Faktor moderat an und pruefe erneut. Widersteh dem Reflex, drei Schwellen gleichzeitig anzuziehen: Du weisst sonst nicht, welche Aenderung das Ergebnis geformt hat.
Lockere den richtigen Faktor, wenn die Ergebnisse verschwinden
Wenn die Liste fast auf null schrumpft, ist der Schuldige meist der extremste Schwellenwert, nicht der zuletzt hinzugefuegte. Pruefe jede Schwelle gegen typische Marktwerte. Zum Beispiel laesst eine Forderung ROIC > 25 % in einem breiten Universum die meisten Screens kollabieren.
Ersetzen statt stapeln
Wenn eine Kennzahl fuer dein Universum nicht passt, ersetze sie. Fuege nicht eine zweite Kennzahl fuer denselben Faktor hinzu. Ein Screen mit KGV, KBV und KUV bleibt ein Value-Screen, kein anspruchsvollerer Multi-Faktor-Screen.
Fester Rhythmus statt taeglich
Ein Multi-Faktor-Screen ist am nuetzlichsten, wenn du ihn in einem festen Rhythmus laufen laesst (monatlich oder quartalsweise). Auf dieser Frequenz veraendern sich die zugrunde liegenden Fundamentaldaten relevant. Taegliche Laeufe erfassen ueberwiegend Preisrauschen.
| Symptom | Wahrscheinliche Ursache | Loesung |
|---|---|---|
| Trefferliste schrumpft auf unter 5 Namen | Eine Schwelle liegt im obersten Marktdezil | Strengsten Schwellenwert um eine Stufe lockern |
| Trefferliste sieht aus wie eine Sektorwette | Mehrere Schwellen begueunstigen einen Sektor | Sektorfilter ergaenzen oder sektorneutrale Schwellen waehlen |
| Alle Treffer haben schwache Bilanzen | Risikofaktor fehlt oder ist zu locker | Debt/Equity straffen oder Current Ratio ergaenzen |
| Alle Treffer sind Deep Value ohne Wachstum | Wachstumsfaktor zu niedrig oder fehlt | Umsatzwachstum anheben oder EPS-Wachstum hinzufuegen |
Hauefige Fehler beim Bau eines Multi-Faktor-Screens
- Viele Filter mit Multi-Faktor zu verwechseln. Ein Screen mit sechs Bewertungskennzahlen ist nicht Multi-Faktor — er ist ein strenger Value-Screen.
- Extreme Schwellen fuer jeden Faktor zu setzen. Wer von jedem Faktor die besten 10 % verlangt, bekommt eine leere Liste. Jeder Faktor sollte "ueberdurchschnittlich" sein, nicht "extrem".
- Den Risikofaktor wegzulassen. Die meisten enttaeuschenden Screens haben keinen einzigen einfachen Bilanz-Guardrail.
- Den Universumsfilter zu vergessen. Ohne Marktkapitalisierung oder einen Liquiditaets-Check tauchen Titel auf, die zwar alle Filter bestehen, aber praktisch nicht investierbar sind.
- Den Screen wie eine Kaufliste zu behandeln. Ein Multi-Faktor-Screen liefert eine Recherche-Shortlist. Die Kandidaten brauchen weiterhin fundamentale Pruefung und Kontext. Siehe Screening vs. Analyse.
Haeufige Fragen
Was ist ein Multi-Faktor-Aktien-Screen?
Ein Multi-Faktor-Aktien-Screen ist ein Screener, der Aktien gleichzeitig gegen mehrere unabhaengige Renditetreiber filtert, ueblicherweise Bewertung, Qualitaet, Wachstum, Momentum und eine Bilanz-Risikokontrolle, sodass die Shortlist von breiten Eigenschaften abhaengt und nicht von einer einzelnen Kennzahl.
Wie viele Faktoren sollte ein Multi-Faktor-Screen haben?
Vier bis sechs Faktoren sind die praktikable Spanne. Weniger als vier laesst meist offensichtliche Luecken (zum Beispiel keine Risikokontrolle). Mehr als sechs fuehrt meist zu Redundanz, bei der zwei Filter dieselbe Eigenschaft messen.
Sollte jeder Faktor denselben Schwellenwert-Typ verwenden?
Nein. Jeder Faktor sollte den Schwellenwert verwenden, der fuer die jeweilige Kennzahl in deinem Zieluniversum sinnvoll ist. Bewertungsschwellen haengen von Sektor-Normen ab, Qualitaetsschwellen von Kapitalintensitaet und Momentum-Schwellen vom Marktregime.
Ist ein Multi-Faktor-Screen besser als ein Single-Faktor-Screen?
Ein Multi-Faktor-Screen ist meist robuster, weil er nicht davon abhaengt, dass eine einzige Kennzahl gerade "richtig" ist. Ein Single-Faktor-Screen kann in Phasen, in denen dieser Faktor stark im Markt funktioniert, ueberragend abschneiden, ist aber staerker exponiert, wenn der Faktor aus der Mode faellt.
Wo endet Multi-Faktor-Screening und wo beginnt Analyse?
Ein Multi-Faktor-Screen liefert eine begruendete Shortlist. Die Analyse entscheidet, ob die Namen darauf tatsaechlich gute Investments sind. Beides arbeitet zusammen: Der Screen verengt das Universum effizient, die Analyse beantwortet die schwierigeren Fragen zu Geschaeftsmodell, Wettbewerbsposition und Ausblick.
Bereit zum Bauen? Oeffne ScreenerHub Studio und starte mit Marktkapitalisierung, fuege dann Value, Qualitaet, Wachstum, Momentum und einen Risikofilter in dieser Reihenfolge hinzu.