Zur Wissensdatenbank

Wie man Screener-Ergebnisse liest: Eine praktische Anleitung mit ScreenerHub

Anleitungen
10 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Wie man Screener-Ergebnisse liest

Screener-Ergebnisse zu lesen bedeutet, aus einer gefilterten Aktienliste eine priorisierte Shortlist zu machen, indem du pruefst, ob jedes Unternehmen wirklich zum Ziel deines Screens passt - und nicht nur die nackten Schwellenwerte erfuellt.

Einen Screen zu starten ist der leichte Teil. Den Output richtig zu interpretieren ist der Punkt, an dem Anleger entweder einen Vorteil aufbauen oder vermeidbare Fehler machen. Ein Treffer, der deine Filter besteht, ist keine Empfehlung. Er ist ein Kandidat, der noch Kontext braucht.

Dieser Kontext kommt meistens aus drei Quellen: aus der Kennzahl, durch die die Aktie in der Liste gelandet ist, aus den anderen Zahlen daneben und aus der Art von Unternehmen, die du gerade betrachtest. Wenn du Ergebnisse gut liest, fragst du nicht mehr nur "Welche Aktie hat bestanden?", sondern "Warum hat sie bestanden - und ist dieser Grund wirklich relevant?"

Kurzfassung: Sortiere die Ergebnisse zuerst nach der Hauptkennzahl deines Screens und pruefe dann Groesse, Bewertung, Qualitaet und Wachstum zusammen, bevor du irgendeine Geschichte rund um die Aktie liest. Auf ScreenerHub ist der beste Workflow, aus einer langen Trefferliste erst eine kleine Watchlist zu machen und nur die Namen weiter zu untersuchen, deren Zahlen von Spalte zu Spalte stimmig bleiben.


Was ein Screener-Ergebnis tatsaechlich aussagt

Ein Screener-Ergebnis sagt nur eine Sache mit Sicherheit: Diese Aktie hat die von dir gesetzten Regeln bestanden.

Das klingt trivial, ist aber genau der Punkt, an dem viele Anleger falsch abbiegen. Wenn du nach niedrigen KGVs screentest, sagt dir das Ergebnis nur, dass die Aktie auf Basis des Gewinns guenstig aussieht. Es sagt dir nicht, ob die Gewinne stabil sind, ob das Unternehmen hoch verschuldet ist oder ob das Geschaeft diese niedrige Bewertung ueberhaupt verdient.

Was das Ergebnis aussagtWas es nicht automatisch aussagt
Die Aktie hat deine Filter bestandenDie Aktie ist qualitativ hochwertig
Die Zahlen passen aktuell zu deinem RegelwerkDie Zahlen bleiben im naechsten Quartal genauso
Das Unternehmen verdient weitere RechercheDas Unternehmen ist ein sofortiger Kauf
Die Aktie passt besser zu diesem Screen als andereDer Screen selbst ist bereits optimal gebaut

Darum gehoert dieser Artikel logisch hinter Stock Screening for Beginners. Screening verengt den Markt. Das richtige Lesen der Ergebnisse entscheidet, ob die Shortlist wirklich brauchbar ist.


Die 5 Fragen, die du bei jedem Treffer stellen solltest

Bevor du in irgendein Unternehmen klickst, stelle fuer jeden Namen in der Tabelle dieselben fuenf Fragen.

1. Was sollte dieser Screen eigentlich finden?

Jeder Screen hat eine Aufgabe. Ein Value-Screen sucht niedrige Bewertung bei akzeptabler Qualitaet. Ein Growth-Screen sucht Expansion mit genug Profitabilitaet, damit das Wachstum Substanz hat. Ein Dividendenscreen sucht Rendite ohne offensichtliches Ausschuttungsrisiko.

Wenn du den Zweck des Screens nicht klar hast, kannst du die Ergebnisse nicht sauber beurteilen.

2. Welche Spalte ist die wichtigste?

Beginne mit der Hauptkennzahl, auf der der Screen basiert.

Screen-TypErste Spalte, die du pruefen solltestWarum sie zuerst kommt
Value-ScreenKGV oder EV/EBITDASie erklaert, warum die Aktie guenstig wirkt
Growth-ScreenUmsatzwachstum oder EPS-WachstumSie erklaert, warum das Geschaeft expansiv wirkt
Qualitaets-ScreenROE oder ROICSie erklaert, warum das Unternehmen effizient wirkt
DividendenscreenDividendenrenditeSie erklaert, warum die Aktie fuer Einkommen spannend ist

Wenn du sofort beim Firmennamen oder beim Chart beginnst, liest du das Ergebnis rueckwaerts.

3. Stimmen die unterstuetzenden Zahlen dazu?

Eine einzelne Kennzahl kann eine Aktie schmeichelhaft aussehen lassen. Mehrere Kennzahlen zusammen erzaehlen die deutlich verlässlichere Geschichte.

Beispiele:

  • Eine Aktie mit niedrigem KGV, aber schwachen Margen und hoher Verschuldung kann eine Value Trap sein.
  • Eine Aktie mit starkem Umsatzwachstum, aber fallendem EPS kann ohne Disziplin wachsen.
  • Eine Aktie mit hoher Dividendenrendite, aber ueberdehnter Ausschuttungsquote signalisiert oft eher Risiko als Einkommensqualitaet.

4. Passt die Art des Unternehmens zu dieser Kennzahl?

Kennzahlen verhalten sich je nach Sektor unterschiedlich. Eine Bank, ein Softwareunternehmen und ein Versorger sollten nicht mit denselben Erwartungen gelesen werden.

5. Ist das ein Top-Kandidat oder nur ein Name, der gerade noch durchkommt?

Die meisten Screens liefern mehr Aktien, als du sinnvoll analysieren kannst. Deine Aufgabe ist nicht, alles zu lesen. Deine Aufgabe ist, die Liste so weit zu priorisieren, bis nur noch wenige Namen fuer eine tiefere Analyse uebrig bleiben.


Lies zuerst die Tabelle, nicht die Geschichte

In der Ergebnistabelle steckt meist schon der groesste Teil der nuetzlichen Information. Dort solltest du anfangen.

Spalte oder SignalWorauf du achten solltestHaeufiger Fehler
Hauptkennzahl des ScreensSticht die Aktie wirklich heraus oder besteht sie nur knapp?Alle bestandenen Treffer als gleich stark zu behandeln
MarktkapitalisierungIst das Unternehmen gross genug fuer deine Strategie?Winzige Firmen mit verrauschten Zahlen zu ignorieren
ProfitabilitaetskennzahlenPassen Margen, ROE oder ROIC zur These des Screens?Nur auf guenstige Bewertung zu schauen
WachstumskennzahlenVerbessert sich das Unternehmen noch oder wirkt es nur billig?Schwache Geschaefte in Value-Screens zu uebersehen
Dividenden- oder AusschuttungsdatenIst die Rendite durch Gewinn oder Cashflow gedeckt?Blind der hoechsten Rendite nachzulaufen
Sektor- oder BranchenkontextVergleichst du Unternehmen, die wirklich vergleichbar sind?Ein Benchmark auf alle Geschaeftsmodelle anzuwenden

Auf ScreenerHub heisst das meist: Tabelle sortieren, Ausreisser scannen und erst dann ein Unternehmensprofil oeffnen oder einen Namen auf eine Watchlist setzen.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Ergebnistabelle - sortiert nach der Hauptkennzahl des Screens, mit Market Cap, KGV, ROE, Umsatzwachstum und Dividendenrendite nebeneinander] -->


Schritt fuer Schritt: So liest du Screener-Ergebnisse in ScreenerHub

Das ist der praktischste Workflow, sobald dein Screen fertig gelaufen ist.

Schritt 1: Sortiere nach der Kennzahl, die den Screen definiert

Wenn du einen Value-Screen gestartet hast, sortiere nach der Bewertungskennzahl. Bei einem Growth-Screen sortierst du nach der relevanten Wachstumskennzahl. So wird die innere Logik der Liste sofort sichtbar.

Beginne nicht mit der Kursentwicklung, ausser der Screen selbst basiert auf technischer Staerke.

Direkt ausprobieren: Oeffne ScreenerHub Studio mit vorausgewaehltem KGV-Filter, starte einen einfachen Value-Screen und uebe, die Tabelle von den guenstigsten Namen aus zu lesen.

Schritt 2: Entferne Namen, die fuer deinen Prozess zu klein, zu speziell oder zu duenn gehandelt sind

Hier kommt die Marktkapitalisierung ins Spiel. Sehr kleine Unternehmen koennen eine Trefferliste mit extremen Zahlen dominieren, aber diese Zahlen sind oft weniger belastbar und schwerer umsetzbar.

Wenn dein Prozess auf etablierte Unternehmen zielt, erhoehe die Mindest-Marktkapitalisierung oder ignoriere die kleinsten Namen in der Tabelle bewusst.

Schritt 3: Gleiche die Hauptkennzahl mit mindestens einer Qualitaetskennzahl ab

Nutze eine einfache Regel: Vertraue niemals nur einer einzigen Zahl.

Wenn dein Hauptsignal ...dann gleiche es ab mit ...
niedriger BewertungROE, ROIC, Nettomarge, Verschuldung
schnellem WachstumBruttomarge, Nettomarge, EPS-Wachstum
hoher DividendenrenditeAusschuttungsquote, Free Cash Flow, Schulden
starker technischer DynamikUmsatzwachstum, Gewinnqualitaet, Market Cap

Das ist der schnellste Weg von "interessant" zu "wirklich pruefenswert".

Schritt 4: Suche nach widerspruechlichen Signalen

Widersprueche sind oft informativer als glatte, perfekte Treffer.

Beispiele:

  • Guenstig, aber schlechter werdend: niedriges KGV, schwache Margen, fallendes Wachstum
  • Schnell wachsend, aber fragil: hohes Umsatzwachstum, negative Gewinne, sehr kleine Marktkapitalisierung
  • Hohe Rendite, aber unter Druck: hohe Dividendenrendite, hohe Ausschuttungsquote, steigende Verschuldung

Es geht nicht darum, jede unperfekte Aktie sofort auszuschliessen. Es geht darum, die Art des Risikos hinter dem Treffer frueh zu erkennen.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Ergebnistabelle - hervorgehobene Zeile mit einer guenstigen Aktie, die gleichzeitig schwache Margen und erhoehte Verschuldung zeigt] -->

Schritt 5: Baue eine Shortlist, kein Fazit

Wenn du die Tabelle gelesen hast, kuerze die Liste konsequent. Verschiebe nur die staerksten Kandidaten auf eine Watchlist oder speichere den Screen, wenn das Setup selbst brauchbar ist.

Wenn die Liste dauerhaft nutzbar bleiben soll, kombiniere die Shortlist mit Aktien-Alerts oder ueberwache sie im Zeitverlauf, statt jedes Mal wieder bei null zu beginnen.


Wie dieselbe Trefferliste unter verschiedenen Strategien anders gelesen wird

Die richtige Interpretation haengt davon ab, wonach du urspruenglich gesucht hast.

StrategiezielSo sieht ein starker Treffer meistens ausDas sollte dich vorsichtig machen
Value InvestingNiedrige Bewertung plus akzeptable Profitabilitaet und tragbare SchuldenSehr niedrige Multiples bei kollabierenden Margen
Growth InvestingStarkes Umsatz- oder EPS-Wachstum plus mindestens ein QualitaetsfilterWachstum, das nach einem Margencheck zerfaellt
Dividend InvestingSolide Rendite mit moderater Ausschuttungsquote und stabiler ProfitabilitaetDie hoechsten Renditen mit ueberdehnter Ausschuttung
Momentum InvestingStarke Kursdynamik, die durch ausreichende Geschaeftsqualitaet gestuetzt wirdReine Kursstaerke ohne fundamentale Unterstuetzung

Darum ist der interne Vergleich so wichtig. Ein Ergebnis sollte relativ zum Ziel des Screens gelesen werden, nicht relativ zu einer diffusen Idee davon, wie eine "gute Aktie" aussieht.

Wenn du konkrete Workflows fuer bestimmte Stile willst, lies als Naechstes How to Screen for Value Stocks, How to Screen for Growth Stocks oder die Strategie-Seite Find Momentum Stocks Using Trend Strength.


Warnsignale in gut aussehenden Ergebnissen

Manche Treffer wirken hervorragend, bis du nur eine weitere Spalte liest. Das sind die haeufigsten Warnsignale.

Eine Aktie besteht jede Schwelle nur knapp

Wenn ein Unternehmen wirklich nur gerade eben durch jeden Filter rutscht, ist es oft ein deutlich schwaecherer Fit als Namen, die bei der Hauptkennzahl klar herausragen.

Eine starke Kennzahl sieht nur deshalb gut aus, weil eine andere Zahl unter Druck steht

Ein niedriges KGV kann fallende Gewinnerwartungen spiegeln. Eine hohe Dividendenrendite kann durch einen gefallenen Aktienkurs entstehen. Eine ploetzlich bessere Marge kann auf einen Einmaleffekt zurueckgehen.

Der Screen ist zu breit, um die Liste brauchbar zu machen

Wenn du 400 Treffer hast, filtert der Screen vielleicht trotzdem sinnvoll. Dein Lesefluss muss dann aber strenger werden. Ziehe die Schwellen an oder nutze Sortierung und Ranking, um die Shortlist konsequent zu verkuerzen.

Das Ergebnis ignoriert die Sektorrealitaet

Ein 20er-KGV kann in einem Sektor billig und in einem anderen teuer sein. Lies Ergebnisse immer im Kontext und nie isoliert.


Was du nach dem Lesen der Ergebnisse tun solltest

Die Tabellenpruefung sollte mit einer klaren Aktion enden.

Wenn du feststellst ...Dann ist der beste naechste Schritt ...
Viele schwache oder verrauschte NamenDen Screen verschaerfen oder einen Qualitaetsfilter ergaenzen
Eine Handvoll starker KandidatenSie auf eine Shortlist oder Watchlist setzen
Eine Strategie liefert wiederholt gute NamenDen Screen speichern und regelmaessig neu laufen lassen
Die Aussagekraft aendert sich im ZeitverlaufMit Alerts oder Monitoring weiterverfolgen

An dieser Stelle wird ScreenerHub mehr als ein einmaliger Filter. Der beste Einsatz eines Screeners ist nicht, heute irgendeine Idee zu finden. Er besteht darin, einen wiederholbaren Prozess aufzubauen, dem du auch naechsten Monat noch vertrauen kannst.


Haeufige Fehler beim Lesen von Screener-Ergebnissen

  1. Ein bestandenes Screening als Kaufsignal zu behandeln. Bestehen heisst "weiter pruefen", nicht "sofort kaufen".
  2. Nur eine Spalte anzuschauen. Gute Interpretation entsteht aus Kennzahlen, die sich gegenseitig bestaetigen.
  3. Marktkapitalisierung und Geschaeftsart zu ignorieren. Kleine oder ungewoehnliche Unternehmen koennen die Liste stark verzerren.
  4. Die Ergebnisse nicht zu priorisieren. Eine lange Trefferliste ist nur nuetzlich, wenn du sie hart verkuerzt.
  5. Strategieziele zu vermischen. Ein starker Dividendentreffer ist nicht automatisch ein guter Growth-Kandidat - und umgekehrt.

Haeufig gestellte Fragen

Wie viele Screener-Ergebnisse sollte ich wirklich genauer pruefen?

Fast immer deutlich weniger, als der Screen ausgibt. Eine gute Praxis ist, die Liste auf etwa 10 bis 20 Namen zu reduzieren, bevor du tiefer in Unternehmensrecherche einsteigst. Wenn die Liste deutlich groesser bleibt, ist der Screen wahrscheinlich noch zu breit.

Was sollte ich bei einem Screener-Ergebnis als Erstes anschauen?

Beginne mit der Kennzahl, die den Screen definiert. In einem Value-Screen ist das meist die Bewertung, in einem Growth-Screen das Wachstum. Direkt danach solltest du diese Zahl mit mindestens einer Qualitaets- oder Risikokennzahl abgleichen.

Sind die obersten Treffer automatisch die besten Aktien?

Nein. Die obersten Treffer passen nur am besten zu deinen Regeln. Wenn die Regeln unvollstaendig sind oder die Kennzahl in diesem Sektor wenig aussagekraeftig ist, kann auch der Top-Treffer ein schwacher Investmentkandidat sein.

Warum sehen manche Aktien im Screen gut aus, fallen aber nach einem kurzen Check auseinander?

Weil Screens die Wirklichkeit vereinfachen. Eine Aktie kann bei einer attraktiven Kennzahl bestehen und gleichzeitig bei Verschuldung, Margenstabilitaet, Ausschuttungsqualitaet oder Sektorkontext Probleme haben. Genau diese Widersprueche soll gutes Lesen frueh sichtbar machen.

Was sollte ich tun, wenn ich einen starken Kandidaten gefunden habe?

Setze ihn auf eine Shortlist, vergleiche ihn mit einigen Peers und gehe erst danach in die tiefere Analyse. Der beste naechste Schritt ist meist, den Kandidaten in einem wiederholbaren Prozess zu halten, statt sofort eine Entscheidung zu erzwingen.