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Greenblatts Magic Formula: Die Ranking-Strategie fuer guenstige Qualitaetsaktien

Anleitungen
8 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Greenblatts Magic Formula: Die Ranking-Strategie fuer guenstige Qualitaetsaktien

Greenblatts Magic Formula ist eine regelbasierte Anlagestrategie, die jede in Frage kommende Aktie nach zwei Faktoren sortiert — Earnings Yield und Return on Capital — die beiden Raenge addiert und die bestplatzierten Namen als gleichgewichtetes Portfolio fuer ein Jahr haelt.

Sie zaehlt zu den meistzitierten systematischen Value-Strategien der letzten zwei Jahrzehnte, weil das Rezept klein genug ist, um auf eine Karteikarte zu passen, und diszipliniert genug, um ohne Bauchentscheidungen umgesetzt zu werden.

Kurzfassung: Banken, Versorger und Micro-Caps ausschliessen. Den Rest nach Earnings Yield (EBIT / EV) und nach Return on Capital (EBIT / operatives Kapital) sortieren. Beide Raenge addieren. Die 20–30 besten Namen gleichgewichtet kaufen. Ein Jahr halten, dann neu ranken und rebalancieren. In ScreenerHub bildet man das am besten mit ROIC plus niedrigem EV/EBITDA ab, gefiltert nach Groesse und Sektor. → Screen in Studio oeffnen.

Wenn Sie das zugrundeliegende Konzept noch nicht kennen, starten Sie mit Was ist die Magic Formula? — diese Seite fokussiert auf die Strategie (Universum, Ranking-Regeln, Portfolio-Aufbau, Rebalancing) statt auf die Kennzahlen-Definitionen.


Herkunft: Joel Greenblatt und The Little Book

Joel Greenblatt veroeffentlichte 2005 The Little Book That Beats the Market (ueberarbeitet 2010). Greenblatt ist Hedgefonds-Manager (Gotham Capital) und Lehrbeauftragter an der Columbia Business School in der Value-Investing-Tradition von Graham, Dodd und Buffett.

Seine These ist erstaunlich einfach. Langfristige Outperformance braucht keine Gewinnprognosen, keine Diskontierungsmodelle und keine Management-Interviews. Sie braucht zwei Dinge gleichzeitig:

  1. Einen guenstigen Einstiegspreis — gemessen am Earnings Yield, nicht am KGV.
  2. Ein gutes Geschaeft — gemessen am Return on Capital, nicht nur am Nettogewinn.

Die Magic Formula ist die operative Umsetzung dieser These. Greenblatt argumentierte — und belegte per Backtest — dass das Ranking des US-Marktes nach beiden Faktoren und der Kauf der besten 20–30 Namen den S&P 500 zwischen 1988 und 2004 deutlich geschlagen hatte.

Ehrlicher Hinweis: Der Original-Backtest nutzte einen sauberen akademischen Datensatz und ignorierte Steuern, Slippage und Survivorship Bias. Echtgeld-Umsetzungen seit 2005 fielen weniger spektakulaer aus, und die Strategie hatte mehrjaehrige Phasen der Underperformance. Als disziplinierter Screen funktioniert die Logik weiterhin, aber die Erwartungen sollten kalibriert sein.


Das genaue Rezept

Die Magic Formula gehoert zu den wenigen Anlagestrategien, die sich in fuenf Schritten beschreiben lassen.

Schritt 1 — Universum definieren

Beginnen Sie mit dem gesamten investierbaren Aktienuniversum und schliessen Sie aus:

AusschlussBegruendung
FinanzwerteBanken und Versicherer haben keine vergleichbare EBIT- oder operative Kapitalstruktur
VersorgerRegulierte Renditen verzerren das Qualitaetssignal der Formel
Micro-CapsGreenblatts Originalregel: Marktkapitalisierung ueber $50M; die meisten nutzen heute $200M–$500M wegen Liquiditaet
ADRs intransparenter EmittentenBerichtszahlen sind oft nicht mit den Inlandsvergleichen kompatibel

Schritt 2 — Nach Earnings Yield ranken

Earnings Yield=EBITEnterprise Value\text{Earnings Yield} = \frac{\text{EBIT}}{\text{Enterprise Value}}

Hoeher ist besser. Die guenstigste Aktie im Universum bekommt Rang 1.

Schritt 3 — Nach Return on Capital ranken

Return on Capital=EBITNet Working Capital+Net Fixed Assets\text{Return on Capital} = \frac{\text{EBIT}}{\text{Net Working Capital} + \text{Net Fixed Assets}}

Hoeher ist besser. Die kapitaleffizienteste Aktie bekommt Rang 1.

Schritt 4 — Raenge addieren

Beide Raenge zusammenzaehlen. Eine Aktie mit Rang 12 beim Earnings Yield und Rang 38 beim Return on Capital landet bei 50. Die niedrigste Summe gewinnt.

Schritt 5 — Portfolio aufbauen

RegelGreenblatts Vorgabe
Anzahl Positionen20–30 Aktien
PositionsgroesseGleichgewichtet
Haltedauer12 Monate je Position
Rebalancing-RhythmusGestaffelt — 5–7 Namen pro Quartal
Steuer-TimingVerlierer kurz vor dem 1-Jahr-Stichtag verkaufen, Gewinner kurz danach

Das gestaffelte Rebalancing ist Absicht: es verteilt Steuerereignisse und verhindert, dass das ganze Portfolio in einem schlechten Monat verkauft wird.


Warum die Strategie funktioniert (wenn sie funktioniert)

Die Magic Formula versucht, zwei gut dokumentierte Renditepraemien gleichzeitig zu ernten:

  • Value-Praemie. Guenstige Aktien haben langfristig teurere Aktien geschlagen (Fama und French, 1992).
  • Quality-Praemie. Hochprofitable und kapitaleffiziente Unternehmen haben qualitativ schwache Firmen geschlagen (Novy-Marx, 2013; Asness, Frazzini, Pedersen, 2013).

Jede Praemie fuer sich allein hat bekannte Schwaechen — auf der einen Seite Value-Fallen, auf der anderen Seite teure Compounder. Die Kombination ueber eine einfache Rangsumme ist eine grobe, aber wirksame Methode, beides gleichzeitig zu verlangen.

Was die Formel wirklich auswaehlt

Rangsummen-BucketTypisches Profil
Beste 30 NamenGuenstige, kapitaleffiziente Geschaefte — das Zielportfolio
Top-DezilStark auf mindestens einem Faktor, akzeptabel auf dem anderen
Mittlere 50%Durchschnittliche Geschaefte zu fairen Bewertungen
Unteres DezilTeure, renditeschwache Geschaefte — eine sinnvolle Vermeidungsliste

Die Strategie in ScreenerHub annaehern

ScreenerHub bietet keinen Ein-Klick-"Magic Formula"-Button — und ehrlich gesagt tut das kein oeffentlicher Screener wirklich getreu, weil der Original-Nenner (Net Working Capital + Net Fixed Assets) keine Standardgroesse ist. Die praktische Annaeherung nutzt ROIC und EV/EBITDA, beide breit verfuegbar und in fast allen Nicht-Finanz-Sektoren sehr aehnlich im Verhalten.

Rezept 1 — Treue Annaeherung

FilterEinstellung
SektorFinanzwerte, Versorger ausschliessen
Marktkapitalisierung> $300M
ROIC> 12%
EV/EBITDA< 12x
UmsatzPositiv

Ergebnis nach ROIC absteigend sortieren, dann nach EV/EBITDA aufsteigend. Die besten 20–30 Namen uebernehmen.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio — Magic-Formula-Annaeherung mit Sektor-Ausschluss, Marktkap > $300M, ROIC > 12%, EV/EBITDA < 12x, Sortierung nach ROIC absteigend] -->

Screen in ScreenerHub oeffnen: Start mit ROIC > 12% →

Sobald der Screen geoeffnet ist, ergaenzen Sie EV/EBITDA < 12x und die Sektor-Ausschluesse, um die Greenblatt-Logik abzubilden.

Rezept 2 — Konservativer (nur Large-Caps)

FilterEinstellung
SektorFinanzwerte, Versorger ausschliessen
Marktkapitalisierung> $2B
ROIC> 15%
EV/EBITDA< 10x
Debt-to-Equity< 1.0

Reduziert das Universum auf grosse, finanziell solide Unternehmen. Besser geeignet fuer Anleger, die geringere Drawdowns wollen und auf etwas Upside verzichten.

Rezept 3 — Qualitaets-orientierte Variante

FilterEinstellung
SektorFinanzwerte, Versorger ausschliessen
Marktkapitalisierung> $500M
ROIC> 20%
EV/EBITDA6x – 14x
Bruttomarge> 30%

Verschiebt die Formel in Richtung echter Qualitaets-Compounder zu akzeptablen Bewertungen. Weniger Namen, dafuer ueberzeugendere — mit deutlicher Schnittmenge zu Qualitaets-Strategien.


Wann die Strategie in die Irre fuehrt

Die Magic Formula ist ein Screen, kein Urteil. Sie hat einige bekannte Schwachstellen, die man respektieren sollte.

  1. Zyklische EBIT-Hochs. Stahl, Schifffahrt und Chemie ranken nahe dem Zyklus-Hoch glaenzend. Drei Jahre spaeter sehen dieselben Aktien aus gutem Grund billig aus. Pruefen Sie immer den mehrjaehrigen Trend bei EBIT und Margen.
  2. Bilanzqualitaets-Drift. Aktien koennen beim berichteten EBIT gut ranken, aber schwachen Free Cash Flow, aggressive Umsatzrealisierung oder steigendes Working Capital aufweisen. Ein Piotroski F-Score als Overlay faengt die meisten Faelle.
  3. Sektor-Clustering. In jedem Monat haeufen sich die besten 30 Namen oft in 2–3 Sektoren. Gleichgewichtung hilft, aber ein Sektor-Cap (z.B. max. 25% pro Sektor) ist eine sinnvolle Disziplin.
  4. Geduld erforderlich. Die Strategie hat historisch in etwa 1 von 4 Jahren unterperformt. Genau das ist Teil des Funktionsprinzips — aber nur fuer Anleger, die das schlechte Jahr tatsaechlich durchhalten.
  5. Sie ist keine Investmentthese. Die Formel liefert eine Shortlist. Den Geschaeftsbericht zu lesen bleibt Ihre Aufgabe.

Magic Formula vs. verwandte Strategien

StrategieWorauf sie zieltWann sie zu bevorzugen ist
Magic Formula (diese Seite)Guenstig + kapitaleffizientSie wollen eine regelbasierte Value-Kernstrategie mit wenig Bewegung
Piotroski F-ScoreSich verbessernde Fundamentaldaten bei guenstigen WertenSie wollen ein Bilanzqualitaets-Overlay auf einen Deep-Value-Screen
Graham NumberHarte BewertungsobergrenzeSie wollen einen streng preisbasierten Value-Ansatz
Qualitaets-CompounderHohes ROIC + geringe Verschuldung, Bewertung zweitrangigSie priorisieren langfristiges Compounding ueber aktuelle Guenstigkeit
Value-ScreeningGenerell niedrige MultiplesSie wollen einen breiteren Trichter vor jedem Qualitaetsfilter

Haeufig gestellte Fragen

Wie viele Aktien empfiehlt Greenblatt?

Zwischen 20 und 30 gleichgewichtete Namen, ueber das Jahr in Tranchen aufgebaut. Weniger Namen erhoehen das Einzelaktien-Risiko, mehr Namen verwaessern den Ranking-Vorteil.

Wie lange sollte ich jede Position halten?

Zwoelf Monate. Der Ein-Jahres-Horizont ist Absicht — er gibt den Value- und Quality-Praemien Zeit zu wirken und qualifiziert Gewinner in vielen Steuerregimen fuer eine guenstigere Behandlung.

Funktioniert die Magic Formula nach 2005 noch?

Echtgeld-Ergebnisse seit der Veroeffentlichung waren bescheidener als der Original-Backtest, mit mehrjaehrigen Phasen unterhalb des Index. Als nachvollziehbare und transparente Value-Shortlist ist der Rahmen weiterhin sinnvoll, aber keine garantierte Alphaquelle mehr.

Warum Banken und Versorger ausschliessen?

EBIT und der operative Kapitalnenner sind fuer Finanzunternehmen (Zinsertrag ist Kernumsatz) und regulierte Versorger (Renditen sind administrativ gedeckelt) nicht vergleichbar. Sie zu beruecksichtigen verzerrt das Ranking.

Kann ich die Magic Formula auf europaeische oder Schwellenlaender-Aktien anwenden?

Ja — die Logik ist geographieunabhaengig, aber Datenabdeckung und Vergleichbarkeit der Bilanzierung sind ausserhalb der USA und der grossen europaeischen Werte schwaecher. Bleiben Sie bei liquiden, gut abgedeckten Universen und nutzen Sie sinnvolle Marktkapitalisierungs-Untergrenzen.


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