Trailing-KGV vs. Forward-KGV: Was ist der Unterschied?
Das Trailing-KGV nutzt den tatsächlichen Gewinn je Aktie der letzten 12 Monate, während das Forward-KGV die erwarteten Gewinne der nächsten 12 Monate verwendet. Der Unterschied zeigt Ihnen, ob die aktuelle Bewertung einer Aktie auf bereits gemeldeten Ergebnissen oder auf Wachstumserwartungen basiert, die erst noch erfüllt werden müssen.
Wenn eine Aktie bei 120 $ notiert, im letzten Jahr 6 $ Gewinn je Aktie erzielt hat und im nächsten Jahr 8 $ verdienen soll, liegt das Trailing-KGV bei 20 und das Forward-KGV bei 15. Der Markt bezahlt also weiterhin das 20-Fache der bewiesenen Gewinne, aber nur das 15-Fache der erwarteten Gewinne. Genau diese Differenz bildet die eingepreiste Wachstumserwartung ab.
Kurz gesagt: Das Trailing-KGV ist faktenbasiert, weil es auf gemeldeten Gewinnen beruht. Das Forward-KGV ist erwartungsbasiert, weil es Analystenschätzungen verwendet. Wenn das Forward-KGV deutlich unter dem Trailing-KGV liegt, rechnet der Markt mit Gewinnwachstum. Liegen beide Werte nah beieinander oder ist das Forward-KGV höher, sind die Erwartungen schwächer. Auf ScreenerHub basiert der Standard-KGV-Filter auf den Gewinnen der letzten zwölf Monate. Nutzen Sie ihn daher als Bewertungsanker und betrachten Sie das Forward-KGV als ergänzende Einordnung.
Warum dieser Vergleich wichtig ist
Die meisten Anleger lernen das KGV als einzelne Kennzahl kennen. In der Praxis gibt es jedoch zwei Varianten, die sehr unterschiedliche Geschichten erzählen können.
- Das Trailing-KGV zeigt, was Anleger für bereits berichtete Gewinne bezahlen.
- Das Forward-KGV zeigt, was Anleger bezahlen, wenn Analystenschätzungen eintreffen.
- Die Differenz zwischen beiden Kennzahlen zeigt, wie viel Wachstum bereits im Aktienkurs steckt.
Das ist wichtig, weil eine Aktie auf Basis der vergangenen Gewinne teuer wirken kann, auf Basis der erwarteten Gewinne aber angemessen bewertet erscheint. Umgekehrt kann eine Aktie mit niedrigem Trailing-KGV günstig aussehen, obwohl Analysten mit sinkenden Gewinnen rechnen.
Für das Screening ist das einer der nützlichsten Realitätschecks überhaupt. Er schützt vor zwei typischen Fehlern:
- Jedes hohe Trailing-KGV automatisch als Überbewertung zu lesen.
- Optimistischen Wachstumsstories zu vertrauen, ohne die Belastbarkeit der Prognosen zu prüfen.
Der Kernunterschied auf einen Blick
| Kennzahl | Gewinnsbasis | Was sie misst | Geeignet für | Hauptschwäche |
|---|---|---|---|---|
| Trailing-KGV | Tatsächliches EPS der letzten 12 Monate | Kurs im Verhältnis zur nachgewiesenen Profitabilität | Basisbewertung und breite Screens | Kann an Wendepunkten verzerrt wirken |
| Forward-KGV | Erwartetes EPS der nächsten 12 Monate | Kurs im Verhältnis zur erwarteten Profitabilität | Wachstumserwartungen und Szenariochecks | Hängt von Analystenschätzungen ab |
Der zentrale Punkt ist nicht, dass eine Kennzahl immer besser ist als die andere. Beide beantworten schlicht unterschiedliche Fragen.
- Nutzen Sie das Trailing-KGV, wenn Sie auf harte, bereits berichtete Daten setzen wollen.
- Nutzen Sie das Forward-KGV, wenn die Investmentthese auf künftigem Gewinnwachstum beruht.
- Vergleichen Sie beide, wenn Sie verstehen möchten, ob die Bewertung eher von Fakten oder von Prognosen getragen wird.
So lesen Sie die Lücke zwischen Trailing- und Forward-KGV
Oft sagt die Differenz zwischen beiden Kennzahlen mehr aus als jede Zahl für sich allein.
| Trailing-KGV | Forward-KGV | Was das häufig signalisiert | Praktische Interpretation |
|---|---|---|---|
| Höher | Niedriger | Analysten erwarten steigende Gewinne | Der Markt preist Verbesserungen ein |
| Ähnlich | Ähnlich | Stabiler Gewinnausblick | Die Bewertung hängt nicht stark an Prognosesprüngen |
| Niedriger | Höher | Analysten erwarten sinkende Gewinne | Die aktuellen Gewinne könnten zyklisch zu hoch sein |
| Sehr hoch | Deutlich niedriger | Starkes erwartetes Wachstum oder zu optimistische Schätzungen | Prüfen Sie, ob die Erwartungen realistisch sind |
Beispiel
| Position | Unternehmen A | Unternehmen B |
|---|---|---|
| Aktienkurs | 90 $ | 90 $ |
| EPS, letzte 12 Monate | 4,50 $ | 7,50 $ |
| Erwartetes EPS, nächstes Jahr | 6,00 $ | 6,00 $ |
| Trailing-KGV | 20,0 | 12,0 |
| Forward-KGV | 15,0 | 15,0 |
Unternehmen A wirkt teuer, wenn Sie nur das Trailing-KGV betrachten. Das Forward-KGV zeigt jedoch, dass Analysten mit steigenden Gewinnen rechnen. Unternehmen B sieht auf Basis des Trailing-KGV günstig aus, doch das höhere Forward-KGV macht klar, dass sinkende Gewinne erwartet werden.
Genau deshalb kann ein einziges KGV die eigentliche Geschichte verdecken.
Wann das Trailing-KGV nützlicher ist
Das Trailing-KGV ist der bessere Ausgangspunkt, wenn Ihr Screen auf Fakten und nicht auf Prognosen beruhen soll.
Es ist besonders hilfreich, wenn:
- Sie große Aktienuniversen mit konsistenten Eingaben screenen möchten
- das Unternehmen stabile Gewinne und ein reifes Geschäftsmodell hat
- Sie die aktuelle Bewertung mit der eigenen Historie des Unternehmens vergleichen wollen
- Analystenrevisionen Ihren Prozess nicht dominieren sollen
Deshalb verwendet ScreenerHub im Standard-KGV-Feld die Gewinne der letzten zwölf Monate. Ein Screener funktioniert am besten, wenn die Basisdaten objektiv und über das gesamte Universum vergleichbar sind.
Faustregel: Nutzen Sie das Trailing-KGV als ersten Filter. Für breite Bewertungsscreens ist es der bessere Anker, weil es auf gemeldeten Ergebnissen basiert.
Wann das Forward-KGV mehr Erkenntnis bringt
Das Forward-KGV wird besonders dann nützlich, wenn die zentrale Frage nicht lautet: „Was hat das Unternehmen zuletzt verdient?“, sondern: „Was erwartet der Markt für die nächsten Quartale?“
Das ist vor allem bei Unternehmen im Wandel wichtig:
- Unternehmen, die sich aus einer vorübergehenden Gewinnschwäche herausarbeiten
- schnell wachsende Firmen, bei denen die Gewinne des letzten Jahres die aktuelle Entwicklung unterschätzen
- Sektoren mit Produktzyklen, Kostenwenden oder Margenerholung
Am wertvollsten ist das Forward-KGV als zweiter Interpretationsschritt. Es erklärt, warum eine Aktie mit hohem Trailing-KGV trotzdem Käufer findet: Der Markt erwartet, dass der Nenner, also der Gewinn, bald deutlich steigt.
Der Haken ist offensichtlich: Wenn diese Prognosen zu optimistisch sind, war die Aktie nie wirklich günstig.
Sektorkontext: Wo welche Kennzahl meist wichtiger ist
Bewertungskennzahlen ergeben nur im richtigen Kontext Sinn. Der Vergleich zwischen Trailing- und Forward-KGV ist besonders stark von der Branchenstruktur abhängig.
| Sektor oder Geschäftstyp | Welche Kennzahl meist wichtiger ist | Warum |
|---|---|---|
| Software / wachstumsstarke Tech-Werte | Forward-KGV | Gewinne können schnell skalieren, daher unterschätzen aktuelle Gewinne oft das kurzfristige Potenzial |
| Basiskonsumgüter | Trailing-KGV | Gewinne sind meist stabiler und Schätzungen ändern sich seltener |
| Banken und Versicherungen | Trailing-KGV | Berichtete Profitabilität und Bilanzqualität zählen oft mehr als aggressive Gewinnprognosen |
| Gesundheitswesen / Medtech | Beide | Produkteinführungen und Patentzyklen können Gewinne abrupt verändern |
| Industrie / zyklische Werte | Beide sorgfältig vergleichen | Spitzengewinne im Zyklus können das Trailing-KGV künstlich günstig erscheinen lassen |
| Energie / Rohstoffe | Keine Kennzahl allein reicht | Rohstoffschwankungen verzerren sowohl aktuelle als auch erwartete Gewinne |
Die praktische Lehre ist einfach: Vergleichen Sie Kennzahlen immer innerhalb desselben Sektors und fragen Sie dann, ob das Geschäft eher stabil, zyklisch oder stark prognoseabhängig ist.
So nutzen Sie das auf ScreenerHub
Der Hauptfilter für das KGV in ScreenerHub verwendet die Gewinne der letzten zwölf Monate, nicht Analystenschätzungen. Der sauberste Workflow sieht deshalb so aus:
- Starten Sie mit dem Trailing-KGV im ScreenerHub Studio.
- Ergänzen Sie Wachstums- oder Qualitätsfilter wie EPS-Wachstum, Umsatzwachstum oder Bruttomarge.
- Prüfen Sie das Forward-KGV anschließend separat, wenn Sie bewerten möchten, ob die aktuelle Multiple durch erwartetes Gewinnwachstum gerechtfertigt ist.
Beispiel-Workflow: Bewertung plus erwartetes Wachstum
| Filter | Einstellung |
|---|---|
| KGV | < 20 |
| EPS-Wachstum (1J) | > 10 % |
| Umsatzwachstum (1J) | > 8 % |
| Debt-to-Equity | < 0,8 |
Mit diesem Screen finden Sie Unternehmen, die noch nicht zu extremen Trailing-Bewertungen gehandelt werden und gleichzeitig bessere Fundamentaldaten zeigen. Vergleichen Sie danach bei den Kandidaten das Forward-KGV im Research-Prozess. Das ist oft der schnellste Weg, um eine plausible Neubewertungsgeschichte von einer Aktie zu trennen, die nur auf veralteten Zahlen günstig aussieht.
<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - P/E Ratio below 20 combined with EPS Growth, Revenue Growth, and Debt-to-Equity filters visible] -->
Wichtige Grenze: Das Forward-KGV ist für die Analyse nützlich, aber aktuell kein eigenes Studio-Feld. Nutzen Sie es daher als Prüfpunkt nach dem ersten Screen und nicht als ersten Filter.
Wenn Sie Bewertung und Wachstum direkter verbinden möchten, ist der logische nächste Schritt Was ist das PEG-Ratio? oder der komplette Leitfaden Wie screent man nach Wachstumsaktien?.
Wo beide Kennzahlen in die Irre führen können
Keine der beiden Varianten ist immun gegen Kontextfehler.
1. Prognosen können falsch sein
Das Forward-KGV ist nur so gut wie die Gewinnschätzungen dahinter. In volatilen Branchen können sich diese nach einem einzigen Quartal stark verändern.
2. Zyklen können die Vergangenheitswerte verzerren
Ein zyklisches Unternehmen kann auf dem Gewinnhochpunkt ein sehr niedriges Trailing-KGV zeigen, kurz bevor die Gewinne wieder einbrechen.
3. Einmaleffekte verzerren beide Perspektiven
Restrukturierungskosten, Steuervorteile, Asset-Verkäufe oder vorübergehende Margenspitzen können sowohl das tatsächliche als auch das erwartete EPS sauberer aussehen lassen, als das operative Geschäft wirklich ist.
4. Beide Kennzahlen ignorieren Bilanzrisiken
Wie das klassische KGV berücksichtigen beide Varianten keine Schulden. Eine Aktie kann gemessen am Gewinn günstig wirken und trotzdem deutlich mehr finanzielles Risiko tragen als ihre Wettbewerber.
Genau deshalb endet praktisches Screening selten bei einer reinen Bewertungskennzahl. Kombinieren Sie das KGV mit Profitabilität, Wachstum und Verschuldung, bevor Sie tiefer analysieren.
Häufig gestellte Fragen
Ist das Trailing-KGV oder das Forward-KGV besser?
Keines ist grundsätzlich besser. Das Trailing-KGV eignet sich besser für objektive Screens, weil es gemeldete Gewinne verwendet. Das Forward-KGV ist besser, wenn Sie einschätzen wollen, wie viel künftiges Wachstum bereits im Kurs steckt.
Warum ist das Forward-KGV oft niedriger als das Trailing-KGV?
Das Forward-KGV ist oft niedriger, weil Analysten steigende Gewinne erwarten. Wenn der Aktienkurs ungefähr gleich bleibt, aber das erwartete EPS steigt, fällt die Kennzahl.
Kann das Forward-KGV höher sein als das Trailing-KGV?
Ja. Das passiert meist dann, wenn Analysten mit sinkenden Gewinnen rechnen. Bei zyklischen Unternehmen kann das ein Warnsignal sein, dass die aktuellen Gewinne nicht nachhaltig sind.
Sollte ich mit dem Forward-KGV screenen?
Für die meisten Anleger ist es sinnvoller, mit dem Trailing-KGV zu screenen und das Forward-KGV erst danach zur Einordnung zu nutzen. So bleibt Ihre erste Auswahlliste auf tatsächlichen Ergebnissen aufgebaut.