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Was ist Earnings Yield? Die Kehrseite des KGV

Bewertung
9 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Was ist Earnings Yield?

Earnings Yield ist eine Bewertungskennzahl, die zeigt, wie viel Jahresgewinn ein Unternehmen fuer jeden in die Aktie investierten Dollar erwirtschaftet. In der Standardform wird die Kennzahl als Gewinn je Aktie geteilt durch den aktuellen Aktienkurs berechnet.

Earnings Yield=Gewinn je Aktie (EPS)Aktienkurs×100\text{Earnings Yield} = \frac{\text{Gewinn je Aktie (EPS)}}{\text{Aktienkurs}} \times 100

Man kann Earnings Yield als Spiegelbild des KGV verstehen. Wenn eine Aktie bei dem 20-Fachen ihres Gewinns handelt, liegt der Earnings Yield bei 5 %. Handelt sie beim 10-Fachen, liegt der Earnings Yield bei 10 %.

Kurzfassung: Earnings Yield uebersetzt das KGV in eine Prozentzahl. Dadurch laesst sich Bewertung leichter mit Zinsen, Anleiherenditen oder der eigenen Zielrendite vergleichen. Ein hoeherer Earnings Yield bedeutet meist eine guenstigere Aktie, aber nur dann, wenn die Gewinne real, nachhaltig und nicht bloss auf einem zyklischen Hoch sind. Auf ScreenerHub nutzen Sie Earnings Yield am praktikabelsten, indem Sie daraus einen Zielwert fuer das KGV ableiten und diesen mit Qualitaetsfiltern kombinieren.


Warum Earnings Yield wichtig ist

Viele Anleger verstehen Prozentwerte schneller als Bewertungsmultiples. Ein KGV von 12 wirkt abstrakt. Ein Earnings Yield von 8,3 % beantwortet direkt die intuitivere Frage: Wie viel Jahresgewinn bekomme ich fuer jeden Dollar, den ich fuer die Aktie bezahle?

Genau deshalb ist die Kennzahl in drei Situationen hilfreich:

  • Sie stellt Bewertung als Rendite dar. 6 % oder 9 % sind fuer viele Anleger leichter einzuordnen als 16,7x oder 11,1x.
  • Sie erleichtert Vergleiche mit anderen Anlageklassen. Sie koennen den Earnings Yield einer Aktie neben Staatsanleihen oder Kreditrenditen legen.
  • Sie unterstuetzt Value-Screenings. Ein hoher Earnings Yield macht guenstige Aktien oft frueh sichtbar, bevor Sie die Unternehmensqualitaet genauer pruefen.

Earnings Yield im Vergleich zu anderen Bewertungskennzahlen

KennzahlFormelBesonders geeignet fuerHauptgrenze
Earnings YieldEPS / KursBewertung als Prozentwert; Vergleich mit ZinsenIgnoriert Schulden und Wachstum
KGVKurs / EPSStandardvergleich von AktienbewertungenWeniger intuitiv bei Renditevergleichen
FCF YieldFree Cash Flow / MarktkapitalisierungCashflow-Staerke relativ zum PreisSchwerer nutzbar bei stark schwankendem CapEx
DividendenrenditeDividende je Aktie / KursTatsaechlich ausgezahlter ErtragSagt nichts ueber die gesamte Ertragskraft

Wenn Sie das KGV bereits kennen, kennen Sie Earnings Yield im Grunde schon. Der Mehrwert liegt nicht in neuen Informationen, sondern in einer nuetzlicheren Perspektive.


Wie Earnings Yield berechnet wird

Die gaengigste aktienbezogene Formel lautet:

Earnings Yield=EPSAktienkurs×100\text{Earnings Yield} = \frac{\text{EPS}}{\text{Aktienkurs}} \times 100

Da das KGV den umgekehrten Bruch verwendet, laesst sich die Kennzahl auch so schreiben:

Earnings Yield=1KGV×100\text{Earnings Yield} = \frac{1}{\text{KGV}} \times 100

Rechenbeispiel

Nehmen wir ein Unternehmen mit folgenden Daten:

PositionWert
Aktienkurs80 USD
EPS (TTM)6 USD
KGV13,3x
Earnings Yield7,5 %

Die Rechnung ist einfach:

  • Earnings Yield = 6 / 80 x 100 = 7,5 %
  • Oder: 1 / 13,3 x 100 = rund 7,5 %

Das bedeutet: Das Unternehmen erwirtschaftet einen Jahresgewinn, der 7,5 % des heutigen Aktienkurses entspricht.

Schnelle Umrechnungstabelle

KGVEarnings Yield
40x2,5 %
25x4,0 %
20x5,0 %
15x6,7 %
12x8,3 %
10x10,0 %
8x12,5 %

Genau deshalb sprechen Value-Investoren oft lieber ueber Earnings Yield. Ein Screen mit niedrigem Multiple wird dadurch zu einer Schwelle in Renditeform.


Wichtige Unterscheidung: klassischer Earnings Yield vs. Greenblatt Earnings Yield

Der Begriff "Earnings Yield" wird in der Praxis fuer zwei verwandte, aber unterschiedliche Kennzahlen genutzt.

1. Klassischer aktienbezogener Earnings Yield

Dieser Artikel verwendet die uebliche aktienbezogene Definition:

Earnings Yield=EPSKurs×100\text{Earnings Yield} = \frac{\text{EPS}}{\text{Kurs}} \times 100

Das ist schlicht die Kehrseite des KGV und genau die Version, die Anleger meist meinen, wenn sie Aktienrenditen mit Anleiherenditen oder anderen Aktien vergleichen.

2. Joel Greenblatts operativer Earnings Yield

In der Magic Formula nutzt Greenblatt eine andere Variante:

Earnings Yield=EBITEnterprise Value\text{Earnings Yield} = \frac{\text{EBIT}}{\text{Enterprise Value}}

Diese Version ist naeher an einer Unternehmensbewertung auf operativer Basis. Durch den Enterprise Value werden Schulden und Cash mit einbezogen, was Vergleiche bei unterschiedlichen Kapitalstrukturen verbessert.

Warum diese Unterscheidung wichtig ist

VersionZaehlerNennerBesonders geeignet fuer
Aktienbezogener Earnings YieldEPS oder NettogewinnAktienkurs oder Marktkapitalisierungklassische Bewertungsvergleiche in Prozentform
Greenblatt Earnings YieldEBITEnterprise ValueRanking kompletter Unternehmen mit unterschiedlicher Verschuldung

Wenn Sie einen allgemeinen Investing-Artikel lesen, meint "Earnings Yield" meistens die Kehrseite des KGV. Wenn Sie ueber die Magic Formula lesen, ist meist EBIT geteilt durch Enterprise Value gemeint.


Was ist ein guter Earnings Yield?

Es gibt keinen universellen Grenzwert. Ein guter Earnings Yield haengt von Branche, Wachstum, Bilanzrisiko und dem allgemeinen Zinsniveau ab.

Grobe Earnings-Yield-Bereiche

Earnings YieldWas das oft signalisiert
Unter 3 %Teure Aktie oder sehr hohe Wachstumserwartungen
3 % - 5 %Premium-Bewertung, oft bei starken Compoundern akzeptiert
5 % - 8 %Moderater Bewertungsbereich fuer viele etablierte Unternehmen
8 % - 12 %Auf den ersten Blick guenstig, braucht aber Qualitaetschecks
Ueber 12 %Sehr guenstig, angespannt, zyklisch oder stark ungeliebt

Typische Bereiche nach Sektor

SektorTypischer Earnings YieldWarum
Software / wachstumsstarke Tech-Werte2 % - 5 %Anleger akzeptieren niedrigere Yields fuer laengere Wachstumspfade
Healthcare3 % - 6 %Wachstum plus Defensivqualitaet stuetzen hoehere Bewertungen
Basiskonsum4 % - 7 %Stabile Gewinne rechtfertigen mittlere Bewertungen
Industrie5 % - 9 %Zyklischere Gewinne verlangen etwas mehr Sicherheitsmarge
Banken6 % - 10 %Geringeres Wachstum und Bilanzsensitivitaet halten die Yields hoeher
Energie / Rohstoffe8 % - 15 %Zyklische Gewinne verlangen eine groessere Margin of Safety

Kontext ist entscheidend: Ein Earnings Yield von 9 % kann bei einem robusten Industrieunternehmen attraktiv sein. Er kann aber genauso gut eine Falle sein, wenn die Gewinne kuenstlich hoch sind oder bald einbrechen.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - niedriger KGV-Screen als Uebersetzung eines 8-%-Earnings-Yield-Ziels, kombiniert mit Sektor- und Profitabilitaetsfiltern] -->


Wann Earnings Yield in die Irre fuehrt

Earnings Yield ist vor allem deshalb nuetzlich, weil die Kennzahl so einfach ist. Genau diese Einfachheit schafft aber auch blinde Flecken.

1. Bei negativen Gewinnen ist die Kennzahl unbrauchbar

Wenn das EPS negativ ist, wird auch der Earnings Yield negativ. Das bedeutet nicht automatisch attraktiv oder unattraktiv. Es bedeutet vor allem, dass die Kennzahl hier nicht mehr sinnvoll ist.

2. Zyklische Hochphasen koennen eine Aktie billig wirken lassen

Ein Rohstoffunternehmen kann am oberen Ende eines Zyklus einen Earnings Yield von 14 % zeigen, weil die Gewinne voruebergehend aufgeblasen sind. Wenn die normalisierten Gewinne deutlich tiefer liegen, ist die Aktie in Wahrheit nicht besonders billig.

3. Schulden bleiben unberuecksichtigt

Zwei Unternehmen koennen denselben Earnings Yield haben, obwohl eines deutlich hoeher verschuldet ist. Dieses Bilanzrisiko taucht in der aktienbezogenen Kennzahl nicht auf.

4. Bilanzgewinn ist nicht gleich Cashflow

Nettogewinn kann durch Einmaleffekte, aggressive Bilanzierung oder Annahmen geschoent sein. Ein Abgleich mit freiem Cashflow ist deshalb sehr sinnvoll.

5. Wachstum und Gewinnqualitaet fehlen komplett

Ein Earnings Yield von 10 % kann billig, fair oder gefaehrlich sein. Entscheidend ist, ob die Gewinne schrumpfen, stagnieren oder wachsen. Bewertung sollte immer mit Wachstum und Profitabilitaet kombiniert werden.


So nutzen Sie Earnings Yield in einem ScreenerHub-Workflow

Der praktischste ScreenerHub-Workflow startet mit der Beziehung zwischen Earnings Yield und KGV:

Ziel-KGV=100Ziel-Earnings-Yield\text{Ziel-KGV} = \frac{100}{\text{Ziel-Earnings-Yield}}

Wenn Sie also einen Earnings Yield von mehr als 8 % suchen, suchen Sie faktisch nach Aktien mit einem KGV von unter etwa 12,5x.

Workflow 1: Einfacher Value-Screen

ZielUebersetzung fuer ScreenerHub
Earnings Yield > 8 %KGV < 12,5
Schwache Unternehmen vermeidenROE > 10 %
Verschuldungsfallen vermeidenDebt-to-Equity < 0,8

So laesst sich eine Renditeschwelle direkt in einen live nutzbaren Screen uebersetzen. Das KGV dient dabei als sichtbarer Proxy fuer Earnings Yield.

Workflow 2: Guenstig, aber noch mit Wachstum

ZielUebersetzung fuer ScreenerHub
Earnings Yield > 6 %KGV < 16,7
WachstumscheckEPS-Wachstum > 8 %
MargencheckNettomarge > 8 %

Dieser Screen hilft, den klassischen Fehler zu vermeiden: statistisch billige Aktien ohne Gewinnmomentum zu kaufen.

Workflow 3: Vergleich mit Anleiherenditen denken

ZielUebersetzung fuer ScreenerHub
Earnings Yield klar ueber aktuellen Bond-YieldsKGV-Band unter Ihrer Zielhuerde waehlen
Fehlalarme reduzierenpositiven Free Cash Flow und Bilanzfilter ergaenzen
faire Vergleiche sichernnur innerhalb eines Sektors screenen

Das ist oft der professionellste Workflow. Sie behandeln Earnings Yield nicht als Einzelsignal, sondern als Einstiegsfilter und pruefen danach die Unternehmensqualitaet.

Direkt in ScreenerHub testen: Oeffnen Sie das Screener Studio, setzen Sie ein KGV unter 12 oder 15 - je nach Ihrer Zielrendite - und ergaenzen Sie danach ROE, Debt-to-Equity und freien Cashflow. So erhalten Sie einen earnings-yield-getriebenen Value-Screen, ohne auf ein separates Earnings-Yield-Feld angewiesen zu sein.

Wenn Sie stattdessen die operative Unternehmensversion nutzen wollen, kombinieren Sie EV/EBITDA mit ROIC oder lesen Sie den Artikel zur Magic Formula.


Haeufig gestellte Fragen

Ist Earnings Yield dasselbe wie die Kehrseite des KGV?

Ja, in der klassischen aktienbezogenen Definition. Earnings Yield ist EPS geteilt durch den Kurs und damit mathematisch identisch zu 1 geteilt durch das KGV.

Ist ein hoeherer Earnings Yield immer besser?

Nein. Ein hoeherer Earnings Yield deutet oft auf eine guenstigere Aktie hin, kann aber auch sinkende Gewinne, Zyklik, schwache Unternehmensqualitaet oder Bilanzstress widerspiegeln.

Was ist ein guter Earnings Yield fuer eine Aktie?

Viele Anleger betrachten 6 % bis 8 % als vernuenftigen Ausgangsbereich fuer etablierte Unternehmen. Die passende Zahl haengt aber immer von Branche, Zinsen, Wachstum und Gewinnqualitaet ab.

Worin unterscheidet sich Earnings Yield von der Dividendenrendite?

Earnings Yield misst den gesamten bilanziellen Gewinn im Verhaeltnis zum Aktienkurs. Die Dividendenrendite misst nur den Teil, der tatsaechlich an Aktionaere ausgeschuettet wird.

Sollte ich Earnings Yield mit Bond-Yields vergleichen?

Ja, aber mit Vorsicht. Der Vergleich mit Staatsanleihen kann helfen, Aktien relativ zu festverzinslichen Anlagen einzuordnen. Aktien sind jedoch riskanter und ihre Gewinne sind nicht garantiert.


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