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Was ist EBITDA? Eine verständliche Erklärung für Aktien-Screener

Grundlagen
8 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Was ist EBITDA?

EBITDA ist eine Kennzahl für den operativen Kerngewinn eines Unternehmens, bevor vier spezifische Posten abgezogen werden: Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte. Die Abkürzung steht für Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation, and Amortization.

EBITDA=Nettogewinn+Zinsen+Steuern+Abschreibungen (Sach)+Abschreibungen (Immateriell)\text{EBITDA} = \text{Nettogewinn} + \text{Zinsen} + \text{Steuern} + \text{Abschreibungen (Sach)} + \text{Abschreibungen (Immateriell)}

Oder ausgehend vom Betriebsergebnis (EBIT):

EBITDA=EBIT+Abschreibungen\text{EBITDA} = \text{EBIT} + \text{Abschreibungen}

EBITDA beantwortet eine konkrete Frage: Wie rentabel ist das eigentliche Kerngeschäft – bereinigt um Finanzierungsentscheidungen und buchhalterische Methoden? Ein hochverschuldetes Unternehmen weist hohe Zinsaufwendungen aus. Ein Unternehmen, das gerade eine Fabrik gekauft hat, verbucht hohe Abschreibungen. EBITDA versucht, diese Unterschiede auszublenden, um die operativen Motoren verschiedener Unternehmen vergleichbar zu machen.

Kurzfassung: EBITDA misst die operative Rentabilität ohne den Einfluss von Kapitalstruktur, Steuerstandort oder Abschreibungsmethoden. Es wird von Analysten häufig verwendet, um Unternehmen branchenübergreifend zu vergleichen. Der wichtigste daraus abgeleitete Kennzahl – EV/EBITDA – ist ein zentraler Bewertungsfilter auf ScreenerHub.


Warum EBITDA existiert: Das Problem, das es löst

Stellen Sie sich vor, Sie vergleichen zwei identische Kabelunternehmen. Unternehmen A hat seine Infrastruktur vollständig mit Eigenkapital finanziert – keine Schulden, keine Zinslast. Unternehmen B hat sich stark verschuldet und zahlt jährlich 200 Mio. € Zinsen. Das operative Geschäft beider Unternehmen ist identisch, aber der Nettogewinn von Unternehmen B sieht schlechter aus – allein aufgrund der Finanzierungsstruktur.

EBITDA bereinigt um Zinsen (und Steuern, die je nach Land variieren), um den operativen Gewinn zu zeigen, den beide Unternehmen tatsächlich erwirtschaften. Das macht Unternehmensvergleiche erheblich aussagekräftiger.

Dasselbe gilt für Abschreibungen:

  • Abschreibungen auf Sachanlagen (Depreciation) sind ein nicht zahlungswirksamer Aufwand, der die Anschaffungskosten eines physischen Vermögenswerts (Maschine, Gebäude) über dessen Nutzungsdauer verteilt. Sie mindern den Nettogewinn, ohne dass tatsächlich Geld das Unternehmen verlässt.
  • Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (Amortization) funktionieren genauso – für Patente, Markenrechte oder übernommene Kundenstämme.

Zwei Unternehmen mit identischen Fabriken, aber unterschiedlichen Abschreibungsplänen, werden unterschiedliche Nettogewinne ausweisen. EBITDA eliminiert diesen Unterschied.

Analogie: Stellen Sie sich EBITDA als den Kraftstoffverbrauch eines Automotors vor, gemessen unabhängig vom Fahrzeuggewicht, den Finanzierungskosten oder der Kfz-Steuer. Die Frage lautet: „Wie leistungsfähig ist dieser Motor?" – nicht: „Wie teuer ist dieses Auto im Unterhalt?"


Wie EBITDA berechnet wird: Ein Praxisbeispiel

Berechnen wir das EBITDA anhand der Gewinn- und Verlustrechnung eines fiktiven Unternehmens, StahlGmbH:

GuV-PositionBetrag
Umsatz500.000.000 €
Herstellungskosten (COGS)300.000.000 €
Bruttogewinn200.000.000 €
Betriebskosten (Vertrieb/Verwaltung)60.000.000 €
Abschreibungen40.000.000 €
Betriebsergebnis (EBIT)100.000.000 €
Zinsaufwand20.000.000 €
Ergebnis vor Steuern80.000.000 €
Steuern (25 %)20.000.000 €
Nettogewinn60.000.000 €

EBITDA = EBIT + Abschreibungen = 100 Mio. € + 40 Mio. € = 140 Mio. €

Oder ausgehend vom Nettogewinn: EBITDA = 60 + 20 + 20 + 40 = 140 Mio. €

StahlGmbH erwirtschaftet 140 Mio. € operativen Gewinn, bevor Finanzierungskosten und Abschreibungsmethoden berücksichtigt werden. Diese Zahl verwenden Analysten, um StahlGmbH mit Wettbewerbern zu vergleichen, die möglicherweise andere Verschuldungsgrade oder Abschreibungsrichtlinien haben.


EBITDA-Marge: Rentabilität als Prozentwert

Die EBITDA-Marge drückt das EBITDA als Prozentsatz des Umsatzes aus und ermöglicht Vergleiche zwischen Unternehmen unterschiedlicher Größe:

EBITDA-Marge=EBITDAUmsatz×100\text{EBITDA-Marge} = \frac{\text{EBITDA}}{\text{Umsatz}} \times 100

Für StahlGmbH: 140 Mio. € ÷ 500 Mio. € = 28 % EBITDA-Marge

Typische EBITDA-Margen nach Branche

BrancheTypische EBITDA-Marge
Software / SaaS20–40 %
Pharmazeutika25–35 %
Gesundheitswesen12–20 %
Konsumgüter (Basisgüter)10–18 %
Industrie / Fertigung8–15 %
Einzelhandel5–12 %
Gastronomie / Lebensmittel8–15 %
Luftfahrt10–20 %
Versorger30–50 %

Faustregel: Innerhalb einer Branche signalisieren höhere EBITDA-Margen eine stärkere Wettbewerbsposition – Preissetzungsmacht, operative Effizienz oder beides. Den Vergleich einer Software-Marge mit der eines Einzelhändlers anzustellen ist wenig sinnvoll; vergleichen Sie immer innerhalb derselben Branche.


EV/EBITDA: Die wichtigste daraus abgeleitete Kennzahl

Die am häufigsten verwendete EBITDA-basierte Bewertungskennzahl ist EV/EBITDA – Enterprise Value geteilt durch EBITDA.

EV/EBITDA=Enterprise ValueEBITDA\text{EV/EBITDA} = \frac{\text{Enterprise Value}}{\text{EBITDA}}

Der Enterprise Value (EV) ist der Gesamtpreis für den Erwerb eines Unternehmens: Marktkapitalisierung plus Nettoschulden. Die Division durch EBITDA beantwortet: „Wie viele Jahre operativen Gewinns würde es dauern, den Kaufpreis dieses Unternehmens zurückzuverdienen?"

EV/EBITDA-BereichTypische Interpretation
< 6×Möglicherweise unterbewertet (prüfen: schrumpfendes Geschäft?)
6–12×Angemessen für reife, stabile Unternehmen
12–20×Aufschlag für Wachstum; typisch für Qualitätsunternehmen
> 20×Hohe Erwartungen eingepreist; wenig Sicherheitsmarge

EV/EBITDA wird in vielen Situationen gegenüber dem KGV bevorzugt, weil es:

  • Kapitalstruktur-neutral ist – sowohl für verschuldete als auch schuldenfreie Unternehmen anwendbar
  • schwerer zu manipulieren ist als Gewinne, die durch Bilanzierungswahlrechte beeinflusst werden können
  • in M&A-Transaktionen weit verbreitet ist – Käufer denken in EV/EBITDA-Multiples

Mehr dazu: Was ist EV/EBITDA?


EBITDA im Vergleich mit anderen Rentabilitätskennzahlen

KennzahlWas gemessen wirdEnthält Zinsen?Enthält Steuern?Enthält Abschreibungen?
UmsatzGesamte Verkaufserlöse
BruttogewinnUmsatz minus HerstellungskostenNeinNeinNein
EBITDAOperativer Gewinn vor Zinsen, Steuern, AbschreibungenNeinNeinNein
EBITOperativer Gewinn vor Zinsen und SteuernNeinNeinJa
NettogewinnEndgewinn nach allemJaJaJa
Free Cash FlowKassenzufluss nach InvestitionenJaJaNäherung (±Capex)

EBITDA vs. Nettogewinn: EBITDA ist fast immer höher als der Nettogewinn. Ist das EBITDA stark, aber der Nettogewinn schwach, erklärt sich die Differenz meist durch hohe Zinslast (hohes Verschuldungsniveau) oder hohe Abschreibungen (kapitalintensives Geschäft).

EBITDA vs. Free Cash Flow: EBITDA wird oft als grober Indikator für die Cashgenerierung verwendet, ist aber unvollständig. Es ignoriert Investitionsausgaben (Capex) – die laufenden Ausgaben, die nötig sind, um die Vermögensbasis zu erhalten oder auszubauen. Ein kapitalintensives Unternehmen (etwa eine Bahn oder ein Telekommunikationsunternehmen) kann ein hohes EBITDA bei schwachem Free Cash Flow zeigen, weil es jährlich stark reinvestieren muss. Prüfen Sie immer den FCF neben dem EBITDA. Siehe: Was ist Free Cash Flow?


Wann EBITDA irreführt: Die ehrliche Warnung

EBITDA ist weit verbreitet, hat aber auch echte Kritiker – darunter Warren Buffett und Charlie Munger, die es als verzerrende Kennzahl bezeichnet haben. Hier ist Vorsicht angebracht:

1. Kapitalintensive Unternehmen

Abschreibungen auf Sachanlagen repräsentieren realen wirtschaftlichen Wertverzehr. Eine Fabrik, die 50 Mio. € kostet und 10 Jahre hält, verliert tatsächlich jedes Jahr 5 Mio. € an Wert. Diesen Posten mit EBITDA auszublenden überschätzt den nachhaltig erzielbaren Gewinn anlagenintensiver Unternehmen.

2. Hochverschuldete Unternehmen

EBITDA lässt Zinsaufwendungen außer Acht – aber die Schulden müssen zurückgezahlt werden. Bei einem stark verschuldeten Unternehmen kann das EBITDA solide wirken, während das Unternehmen still und leise durch den Schuldendienst ausgehöhlt wird. Prüfen Sie immer das Verhältnis Nettoverschuldung / EBITDA neben dem EBITDA-Wert selbst.

3. Akquisitionsstarke Unternehmen

Die Amortisation von immateriellen Vermögenswerten aus Übernahmen kann nach M&A-Aktivitäten erheblich sein. Diese zurückzuaddieren, um das EBITDA zu erhalten, lässt das Unternehmen rentabler erscheinen, als die Cashflows rechtfertigen.

4. Unternehmen mit eigenem „Adjusted EBITDA"

Viele Unternehmen berichten ein „bereinigtes EBITDA", das aktienbasierte Vergütungen, Restrukturierungskosten und andere Posten herausrechnet. Manche Bereinigungen sind legitim; andere verschleiern wiederkehrende Kosten. Fragen Sie immer: „Was wird hier herausgerechnet – und ist es wirklich einmalig?"

Die Regel: Nutzen Sie EBITDA als Ausgangspunkt für Vergleiche, nicht als abschließendes Urteil. Kombinieren Sie es mit Free Cash Flow, Nettogewinn und Verschuldungsgrad, bevor Sie Schlussfolgerungen ziehen.


Die wichtigsten Erkenntnisse

  • EBITDA = Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (auf Sach- und immaterielle Vermögenswerte)
  • Es bereinigt um Finanzierungsentscheidungen und buchhalterische Methoden, um die operative Kernrentabilität zu zeigen
  • Die EBITDA-Marge ermöglicht den Rentabilitätsvergleich zwischen Unternehmen unterschiedlicher Größe – immer innerhalb derselben Branche vergleichen
  • EV/EBITDA ist die wichtigste aus dem EBITDA abgeleitete Bewertungskennzahl; sie ist kapitalstruktur-neutral und in der professionellen Analyse weit verbreitet
  • EBITDA kann bei kapitalintensiven Unternehmen, hochverschuldeten Unternehmen oder bei fragwürdigen „Adjusted EBITDA"-Bereinigungen irreführen
  • Verwenden Sie EBITDA immer gemeinsam mit Free Cash Flow und Nettogewinn – nie isoliert

So screenen Sie mit EBITDA auf ScreenerHub

Screener 1: Profitable Mid-Caps mit starker Marge

Finden Sie etablierte Unternehmen, die auf operativer Ebene wirklich profitabel sind.

FilterEinstellung
Marktkapitalisierung> 500 Mio. €
EBITDA (TTM)> 0
EBITDA-Marge> 15 %

Diese Kombination schließt Unternehmen vor der Gewinnschwelle aus und fokussiert auf Unternehmen, bei denen das Kerngeschäft vor Finanzierungskosten echten Cashflow generiert.

Screener 2: Qualität zu einem vernünftigen Preis (EV/EBITDA)

Kombinieren Sie EBITDA-Qualität mit Bewertungsdisziplin.

FilterEinstellung
EV/EBITDA6× – 15×
EBITDA-Marge> 20 %
Umsatzwachstum> 5 %

Diese Kombination zielt auf profitable, wachsende Unternehmen zu Bewertungen, die keine Perfektion voraussetzen. Ein guter Ausgangspunkt für einen klassischen GARP-Screen (Growth at a Reasonable Price).

Screener 3: Dividendenzahler mit Deckungsgrad

Prüfen Sie, ob dividendenzahlende Unternehmen genug EBITDA erwirtschaften, um ihre Verpflichtungen zu erfüllen.

FilterEinstellung
Dividendenrendite> 2 %
EBITDA-Marge> 10 %
Ausschüttungsquote< 70 %

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