Was ist die Magic Formula nach Joel Greenblatt?
Die Magic Formula ist ein von Joel Greenblatt entwickeltes Aktien-Ranking, das gleichzeitig nach zwei Eigenschaften sucht: hoher Earnings Yield und hoher Return on Capital.
Statt nur zu fragen, ob eine Aktie billig ist, oder nur zu pruefen, ob ein Unternehmen hochwertig ist, versucht die Magic Formula beides zu kombinieren. Genau deshalb gehoert sie bis heute zu den bekanntesten Modellen im systematischen Value Investing.
Kurzfassung: Die Magic Formula ordnet Aktien nach einer Kombination aus Bewertung und Unternehmensqualitaet. In der Praxis sucht man nach Unternehmen mit hohem Earnings Yield, hohem Return on Capital und genug Groesse und Stabilitaet, um offensichtlichen Schrott auszusortieren. Auf ScreenerHub laesst sich das am besten ueber ROIC plus niedrige EV/EBITDA Werte annaehern.
Warum die Magic Formula wichtig ist
Viele Aktien-Screens versagen, weil sie nur auf eine Sache optimieren.
Wenn Sie nur nach billigen Aktien screenen, bekommen Sie oft problematische Geschaefte, zyklische Hochphasen oder Unternehmen mit schwaecherer Bilanz. Wenn Sie nur nach hochwertigen Unternehmen suchen, landen Sie oft bei hervorragenden Firmen zu zu hohen Preisen.
Die Magic Formula ist wichtig, weil sie beide Probleme gleichzeitig angeht:
- Sie bringt Disziplin ins Value Investing. Sie kaufen nicht einfach nur, was statistisch billig aussieht.
- Sie bringt Bewertungsdisziplin ins Qualitaetsinvestieren. Gute Unternehmen werden nicht automatisch zu jedem Preis akzeptiert.
- Sie ist systematisch. Alle Aktien werden nach denselben Regeln sortiert statt nach Bauchgefuehl.
- Sie passt gut zu Screenings. Beide Kernbausteine lassen sich mit Kennzahlen abbilden, die Investoren ohnehin kennen.
Magic Formula vs. Ein-Faktor-Screening
| Wenn Sie nur nach... screenen | Dann bekommen Sie oft... | Die Magic Formula fuegt hinzu... |
|---|---|---|
| niedrigen Bewertungsmultiples | billige, aber schwache Unternehmen | einen Qualitaetsfilter |
| hoher Profitabilitaet | tolle Unternehmen zu jedem Preis | eine Bewertungsbremse |
| Momentum allein | teure Gewinner | eine guenstigkeitsbewusste Vorauswahl |
Dieses Gleichgewicht erklaert, warum die Formel bis heute in Diskussionen ueber Value Investing, Qualitaetsaktien und regelbasierte Strategien auftaucht.
Wie die Magic Formula berechnet wird
Die urspruengliche Magic Formula besteht aus zwei Bausteinen.
1. Earnings Yield
Diese Kennzahl fragt, wie viel operativer Gewinn Sie fuer den gesamten Preis des Unternehmens bekommen. Ein hoeherer Earnings Yield ist besser, weil das Unternehmen gemessen an seinem operativen Ergebnis meist guenstiger bewertet ist.
2. Return on Capital
Diese Kennzahl zeigt, wie effizient das Unternehmen seine operativen Vermoegenswerte in operativen Gewinn verwandelt. Ein hoeherer Return on Capital spricht fuer ein staerkeres zugrunde liegendes Geschaeft.
3. Kombinierter Rang
Jedes Unternehmen wird fuer beide Kennzahlen separat gerankt:
- hoeherer Earnings Yield bekommt einen besseren Rang
- hoeherer Return on Capital bekommt einen besseren Rang
- beide Rangklaenge werden addiert
- der niedrigste Gesamtrang ist der attraktivste Kandidat
Einfach gesagt sucht die Formel nach Unternehmen, die gleichzeitig billig und effizient sind.
Rechenbeispiel
Stellen Sie sich ein kleines Aktienuniversum mit vier Unternehmen vor:
| Unternehmen | Rang Earnings Yield | Rang Return on Capital | Gesamtrang |
|---|---|---|---|
| Atlas | 2 | 1 | 3 |
| Beacon | 1 | 4 | 5 |
| Cedar | 4 | 2 | 6 |
| Delta | 3 | 3 | 6 |
Atlas schneidet insgesamt am besten ab, weil das Unternehmen in beiden Dimensionen stark ist und nicht nur in einer. Beacon ist zwar die billigste Aktie der Gruppe, aber die Unternehmensqualitaet ist schwaecher. Cedar ist sehr effizient, aber nicht guenstig genug. Die Magic Formula bevorzugt die Balance statt das Extrem.
Wichtig: Unterschiedliche Datenanbieter definieren Return on Capital leicht unterschiedlich. Moderne Screenings verwenden daher haeufig ROIC als praktikable Qualitaetsnaeherung, weil diese Kennzahl breiter verfuegbar und leichter vergleichbar ist.
Wie man die Magic Formula interpretiert
Die Magic Formula ist keine einzelne Kennzahl mit einem universell guten oder schlechten Schwellenwert. Sie ist ein Ranking-System.
Darum lautet die zentrale Frage nicht "Ist 8 gut?", sondern "Wie weit oben steht diese Aktie innerhalb meines investierbaren Universums?"
Allgemeine Einordnung
| Rangbereich | Was das typischerweise bedeutet |
|---|---|
| Top 10 % | starke Mischung aus Bewertung und Unternehmensqualitaet |
| Top 10-25 % | weiterhin attraktiv, aber meist mit einer schwaecheren Seite |
| Mittlere 50 % | gemischte Auswahl aus durchschnittlichen Unternehmen oder fairen Bewertungen |
| Untere 25 % | meist zu teuer, zu schwach oder beides |
Was das Modell eigentlich belohnt
Wenn eine Aktie in der Magic Formula gut abschneidet, bedeutet das meist:
- der operative Gewinn ist stark im Verhaeltnis zum Enterprise Value
- das Unternehmen erzielt gute Renditen auf das eingesetzte Kapital
- die Bewertung erklaert den Rang nicht allein
- die Unternehmensqualitaet erklaert ihn ebenfalls nicht allein
Genau deshalb wird die Formel haeufig als regelbasierte Qualitaets-Value-Strategie beschrieben und nicht als reine Deep-Value-Methode.
Sektorkontext bleibt wichtig
| Sektor | Warum sich die Interpretation aendert |
|---|---|
| Software | Hohe Kapitalrenditen sind haeufiger, deshalb ist Bewertungsdisziplin noch wichtiger |
| Industrie | Auch moderate Renditen koennen attraktiv sein, wenn die Bewertung niedrig ist |
| Energie und Rohstoffe | Zyklische EBIT-Spitzen koennen Aktien kuenstlich billig wirken lassen |
| Banken und Versicherer | Der urspruengliche Ansatz ist hier weniger verlaesslich, weil Enterprise Value und operatives Kapital anders funktionieren |
Kontext ist entscheidend: Eine Aktie kann gut ranken, weil das EBIT am oberen Ende eines Zyklus voruebergehend aufgeblasen ist. Die Formel funktioniert am besten, wenn Sie Bilanzfilter hinzufuegen und mehrere Jahre operativer Entwicklung pruefen.
Wann die Magic Formula in die Irre fuehren kann
Die Magic Formula ist nuetzlich, aber nicht wirklich magisch. Es gibt mehrere Faelle, in denen Investoren sie falsch einsetzen.
1. Sie wie eine komplette Investment-These zu behandeln
Die Formel liefert eine Vorauswahl, aber keine endgueltige Antwort. Sie muessen weiterhin Geschaeftsmodell, Branchenrisiken, Bilanz und Gewinnqualitaet pruefen.
2. Zyklische Gewinne zu ignorieren
Ein Stahl- oder Schifffahrtsunternehmen kann extrem billig wirken, wenn das EBIT gerade auf einem Zyklushoch liegt. Das bedeutet nicht automatisch, dass die Aktie strukturell unterbewertet ist.
3. Sie blind auf Finanzwerte anzuwenden
Banken und Versicherer passen deutlich schlechter in die urspruengliche Logik aus Enterprise Value und EBIT als klassische operative Unternehmen.
4. Liquiditaets- und Groessenfilter zu vergessen
Sehr kleine Unternehmen koennen auf dem Papier gut ranken und trotzdem fuer einen praktischen Screen zu illiquide, zu volatil oder zu fragil sein.
5. Kurzfristige Outperformance zu erwarten
Die Magic Formula ist ein systematischer Ansatz, der historisch Geduld verlangt hat. Selbst eine gute Umsetzung kann den Markt ueber laengere Phasen hinter sich lassen.
Magic Formula im Aktien-Screener
Sie brauchen in ScreenerHub keinen speziellen "Magic Formula"-Schalter, um die Idee zu nutzen. Praktisch laesst sich der Ansatz gut annaehern, indem Sie einen Qualitaetsfilter mit einem Bewertungsfilter kombinieren.
Screener 1: Klassische Magic-Formula-Annaeherung
| Filter | Einstellung |
|---|---|
| ROIC | > 12 % |
| EV/EBITDA | < 12x |
| Marktkapitalisierung | > 500 Mio. $ |
| Umsatz | Positiv |
Das ist fuer viele Investoren die naheliegendste Annaeherung: starke Kapitalrendite plus vernuenftiges Enterprise-Value-Multiple.
Screener 2: Qualitaets-Value-Shortlist
| Filter | Einstellung |
|---|---|
| ROIC | > 10 % |
| KGV | < 20 |
| Debt-to-Equity | < 1,5 |
| Umsatzwachstum | > 0 % |
Diese Variante ist etwas weniger nah an der Originalformel, aber oft leichter zu erklaeren und sehr brauchbar, wenn Sie einen breiteren Value-Screen aufbauen wollen.
Screener 3: Hoeherer Qualitaetsfokus
| Filter | Einstellung |
|---|---|
| ROIC | > 15 % |
| EV/EBITDA | 6x - 14x |
| Bruttomarge | > 20 % |
| Debt-to-Equity | < 1,0 |
Damit verschieben Sie den Ansatz staerker in Richtung Unternehmensqualitaet und vermeiden statistisch billige Unternehmen mit schwachen Geschaeftsoekonomien.
<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - ROIC > 12 %, EV/EBITDA < 12x, Marktkapitalisierung > 500 Mio. $ und positiver Umsatz als Magic-Formula-Annaeherung] -->
-> Diesen Screen in ScreenerHub ausprobieren: Mit ROIC > 12 % starten ->
Sobald sich der Screen oeffnet, fuegen Sie EV/EBITDA als zweiten Filter hinzu, um die Logik naeher an Greenblatts Original heranzufuehren.
Magic Formula im Vergleich zu verwandten Kennzahlen
Am besten versteht man die Magic Formula als Rahmen, der aus einfacheren Bausteinen zusammengesetzt ist.
| Kennzahl | Was sie misst | Beste Verwendung |
|---|---|---|
| Magic Formula | kombiniertes Ranking aus Guenstigkeit und Qualitaet | systematische Value-Shortlist erstellen |
| ROIC | Kapitaleffizienz | messen, wie produktiv ein Unternehmen Kapital einsetzt |
| EV/EBITDA | Bewertung auf Enterprise-Value-Basis | Bewertungen ueber unterschiedliche Kapitalstrukturen hinweg vergleichen |
| KGV | Eigenkapitalbewertung auf Basis des Nettogewinns | einfache Bewertungschecks fuer profitable Unternehmen |
| Piotroski F-Score | Verbesserung von Bilanz- und operativer Qualitaet | schwache Value-Traps aus guenstigen Aktien herausfiltern |
Wenn Sie ROIC und EV/EBITDA bereits verstehen, ist die Magic Formula leichter einzuordnen: Sie ist eine Ranking-Ebene, die beide Ideen zu einem wiederholbaren Prozess zusammenfuehrt.
Haeufige Fehler beim Einsatz der Magic Formula
- Zu glauben, die Formel ersetze Unternehmensanalyse. Sie erzeugt eine Shortlist, aber kein vollstaendiges Urteil.
- Nur auf die billigsten Aktien zu schauen. Genau diese Falle soll die Formel durch die Qualitaetskomponente vermeiden.
- Verschuldung und Bilanzqualitaet zu ignorieren. Eine Aktie kann gut ranken und trotzdem echtes Bilanzrisiko tragen.
- Unvergleichbare Sektoren direkt gegeneinander zu stellen. Rankings funktionieren besser innerhalb eines halbwegs homogenen Universums.
- Zu erwarten, dass die Strategie jedes Quartal gewinnt. Regelbasierte Value-Ansaetze brauchen oft einen mehrjaehrigen Horizont.
Haeufig gestellte Fragen
Was ist die Magic Formula beim Investieren?
Die Magic Formula ist Joel Greenblatts Methode, Aktien ueber die Kombination aus Guenstigkeit und Unternehmensqualitaet zu ranken. Im Original nutzt sie Earnings Yield und Return on Capital und bevorzugt Aktien mit den besten kombinierten Rangklaengen.
Ist die Magic Formula dasselbe wie Value Investing?
Sie ist eine Form des systematischen Value Investing, aber enger als Value Investing insgesamt. Klassisches Value Investing kann qualitative Beurteilung, Asset-Analyse und Sondersituationen einschliessen. Die Magic Formula ist ein regelbasierter Shortcut fuer guenstige und effiziente Unternehmen.
Was ist eine gute Magic-Formula-Aktie?
In der Praxis ist ein guter Kandidat weit oben in einem sinnvollen Aktienuniversum gerankt und besteht zusaetzlich Plausibilitaetspruefungen wie Marktkapitalisierung, Bilanzstabilitaet und Ertragskonstanz. Die Formel funktioniert am besten als Generator fuer eine Shortlist, nicht als blinde Kaufliste.
Worin unterscheidet sich die Magic Formula von ROIC?
ROIC ist eine einzelne Qualitaetskennzahl. Die Magic Formula ist ein umfassenderes Ranking-System, das eine Qualitaetskennzahl mit einer Bewertungskennzahl verbindet. ROIC zeigt, ob ein Unternehmen effizient arbeitet. Die Magic Formula fragt, ob es effizient und gleichzeitig guenstig genug ist.
Funktioniert die Magic Formula heute noch?
Die Grundidee bleibt relevant, weil ihre Logik zeitlos ist: Investoren wollen starke Unternehmen zu vernuenftigen Preisen kaufen. Aber keine Formel funktioniert automatisch in jedem Markt. Der beste moderne Einsatz ist ein diszipliniertes Screening mit anschliessender tieferer Unternehmensanalyse.
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