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Was ist die PEG Ratio? Wie Sie Wachstumsaktien bewerten, ohne die Bewertung zu ignorieren

Bewertung
9 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Was ist die PEG Ratio?

Die PEG Ratio misst die Bewertung einer Aktie im Verhaeltnis zu ihrem Gewinnwachstum, indem sie das KGV durch die erwartete oder historische Gewinnwachstumsrate teilt. Sie hilft Anlegern einzuschaetzen, ob eine Wachstumsaktie gemessen an ihrem Wachstum teuer, fair bewertet oder guenstig ist.

PEG Ratio=KGVGewinnwachstumsrate\text{PEG Ratio} = \frac{\text{KGV}}{\text{Gewinnwachstumsrate}}

Wenn eine Aktie mit einem KGV von 20 gehandelt wird und Analysten ein Gewinnwachstum von 25 % pro Jahr erwarten, liegt die PEG Ratio bei 0,8. Das deutet darauf hin, dass Anleger fuer dieses Wachstum weniger bezahlen, als das reine KGV vermuten laesst.

Die PEG Ratio beantwortet damit eine nuetzlichere Frage als das KGV allein: zahlen Sie fuer Wachstum zu viel oder ist die Bewertung durch das Wachstum gerechtfertigt?

Kurzfassung: Die PEG Ratio bereinigt das KGV um Wachstum. Ein Wert unter 1,0 gilt oft als attraktiv, etwa 1,0 bis 2,0 als fair bis ambitioniert und ueber 2,0 als teuer, aber der Kontext ist entscheidend. Besonders hilfreich ist PEG bei profitablen Wachstumsunternehmen, deutlich weniger bei instabilen, negativen oder durch Sondereffekte verzerrten Gewinnen. Auf ScreenerHub ist die Kennzahl ein praktischer Weg, Wachstum zu finden, ohne jeden Preis dafuer zu akzeptieren.


Warum die PEG Ratio fuer Anleger wichtig ist

Die groesste Schwaeche des KGVs ist, dass es nichts ueber Wachstum aussagt. Eine Aktie mit dem 30-Fachen des Gewinns kann voellig ueberteuert sein, wenn die Gewinne stagnieren, aber durchaus fair wirken, wenn die Gewinne jedes Jahr um 35 % steigen. Genau diese Luecke soll die PEG Ratio schliessen.

Fuer Anleger, die Wachstum suchen, aber nicht blind hohe Multiples akzeptieren wollen, ist PEG einer der einfachsten Realitaetschecks. Besonders beliebt ist die Kennzahl bei GARP-Investoren: Growth at a reasonable price.

Darum wird sie genutzt:

  • Bewertung und Wachstum in einer Zahl. Statt KGV und EPS-Wachstum getrennt zu betrachten, koennen Sie in einer Kennzahl sehen, wie teuer dieses Wachstum ist.
  • Bessere Vergleiche zwischen Wachstumsaktien. Zwei Unternehmen koennen beide mit einem KGV von 25 gehandelt werden, aber das mit 30 % Gewinnwachstum verdient eine andere Einordnung als das mit 8 %.
  • Schutz vor zu viel Euphorie. Eine starke Wachstumsstory kann trotzdem zu teuer sein. PEG liefert eine grobe Leitplanke gegen ueberzogene Erwartungen.
  • Gut fuer den Screener geeignet. In ScreenerHub koennen Sie PEG mit Umsatzwachstum, Margen oder Verschuldungsfiltern kombinieren und so Aktien finden, die nicht nur schnell wachsen, sondern auch qualitativ solide sind.

Die Kernaussage ist einfach: Ein hohes KGV ist weniger problematisch, wenn das Wachstum wirklich stark ist. Ein niedriges KGV ist weniger attraktiv, wenn das Wachstum schwach oder ruecklaeufig ist.


Wie die PEG Ratio berechnet wird

Die Formel startet mit dem KGV und teilt es durch die Gewinnwachstumsrate:

PEG Ratio=Kurs-Gewinn-VerhaeltnisEPS-Wachstumsrate\text{PEG Ratio} = \frac{\text{Kurs-Gewinn-Verhaeltnis}}{\text{EPS-Wachstumsrate}}

Beispiel

KennzahlWert
Aktienkurs$80
Gewinn je Aktie$4,00
KGV20,0
EPS-Wachstum25 %
PEG Ratio0,8

Diese Aktie wird mit dem 20-Fachen ihres Gewinns gehandelt. Das wirkt auf den ersten Blick nicht billig. Wenn der Gewinn aber mit 25 % pro Jahr waechst, deutet eine PEG Ratio von 0,8 darauf hin, dass die Bewertung im Verhaeltnis zum Wachstum noch vernuenftig sein kann.

Welche Wachstumsrate sollte man verwenden?

Genau hier wird PEG ungenauer, als es zunaechst scheint.

WachstumsbasisBedeutungSinnvoll fuer
Historisches EPS-WachstumWachstum auf Basis bereits gemeldeter GewinneVorsichtige Analyse mit Blick auf die Historie
Erwartetes EPS-WachstumWachstum auf Basis von AnalystenschaetzungenScreening fuer zukuenftige Erwartungen
Mehrjaehrige EPS-CAGRDurchschnittliches Gewinnwachstum ueber mehrere JahreGlaettung bei zyklischen oder schwankenden Firmen

Viele Investoren verwenden erwartetes Gewinnwachstum, weil der Markt Aktien auf Basis der Zukunft bewertet. Gleichzeitig sind solche Schaetzungen fehleranfaellig, besonders bei zyklischen Unternehmen oder stark narrativ getriebenen Aktien.

Praktische Regel: Nutzen Sie PEG als ersten Filter, nicht als praezises Fair-Value-Modell. Wenn eine Aktie auf Basis von PEG interessant wirkt, pruefen Sie im zweiten Schritt, ob die zugrunde gelegte Wachstumsannahme realistisch ist.


Was ist eine gute PEG Ratio?

Eine universell gute PEG Ratio gibt es nicht, aber einige grobe Orientierungswerte sind in der Praxis verbreitet.

Allgemeine PEG-Bereiche

PEG-BereichWas er typischerweise signalisiert
Unter 1,0Das Wachstum koennte im Verhaeltnis zur Bewertung noch unterbewertet sein
1,0 - 1,5Fuer qualitativ gute Wachstumsaktien oft noch vernuenftig
1,5 - 2,0Die Bewertung wird ambitionierter, starkes Wachstum muss anhalten
Ueber 2,0Hohe Erwartungen sind meist schon eingepreist
NegativMeist nicht sinnvoll, weil Gewinne oder Wachstum negativ sind

Diese Bereiche sind nur ein Startpunkt. Eine PEG Ratio von 1,4 bei einem robusten Softwareunternehmen mit wiederkehrenden Umsaetzen kann attraktiver sein als eine PEG Ratio von 0,9 bei einem zyklischen Industrieunternehmen auf Gewinnhoch.

Wie sich PEG je nach Geschaeftsmodell unterscheidet

GeschaeftsmodellTypische PEG-EinordnungWarum der Kontext wichtig ist
Reife Value-AktienWeniger hilfreichDas Wachstum ist oft zu niedrig oder zu unregelmaessig
Stetige CompounderSehr hilfreichVorhersagbares Gewinnwachstum macht PEG belastbarer
Hypergrowth-SoftwareMit Vorsicht nuetzlichStarkes Wachstum, aber oft sehr optimistische Schaetzungen
Zyklische UnternehmenHaeufig irrefuehrendTemporare Gewinnspitzen koennen KGV und PEG kuenstlich druecken
Unprofitable FirmenNicht nutzbarOhne sinnvolles KGV gibt es auch kein sinnvolles PEG

Kontext ist entscheidend: PEG funktioniert am besten bei profitablen Unternehmen mit halbwegs stabilem Gewinnwachstum. Bei negativen Gewinnen, starken Zyklen oder einmaligen Sondereffekten wird die Aussagekraft deutlich schwaecher.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - PEG Ratio unter 1,2 kombiniert mit EPS-Wachstum ueber 15 % und Bruttomarge ueber 40 %, zeigt eine gefilterte Liste von Wachstumsaktien] -->


Wie man die PEG Ratio im Aktien-Screener nutzt

Wirklich stark wird die PEG Ratio erst in Kombination mit weiteren Filtern in ScreenerHub Studio. Allein liefert sie ein wachstumsbereinigtes Bewertungssignal. Zusammen mit Qualitaets- und Risikofiltern hilft sie dabei, echte Chancen von fragilen Wachstumsstories zu trennen.

Screener 1: Wachstum zu einem vernuenftigen Preis

Finden Sie profitable Unternehmen, deren Bewertung im Verhaeltnis zum Gewinnwachstum noch sinnvoll wirkt.

FilterEinstellung
PEG Ratio< 1,2
EPS-Wachstum (1J)> 15 %
Umsatzwachstum (1J)> 10 %
Marktkapitalisierung> 1 Mrd. $

Das ist der klassische PEG-Screen. Er bevorzugt Unternehmen, deren Gewinne bereits deutlich wachsen, waehrend der Markt dieses Wachstum noch nicht voll eingepreist hat. Fuer einen groesseren Workflow passt dazu Wie man Wachstumsaktien screent.

Screener 2: Qualitatives Wachstum statt nur schnellem Wachstum

Filtern Sie Unternehmen heraus, die stark wachsen und gleichzeitig gesunde wirtschaftliche Grundlagen mitbringen.

FilterEinstellung
PEG Ratio< 1,5
Bruttomarge> 40 %
ROIC> 10 %
Debt-to-Equity< 0,8

Dieses Setup entfernt viele Aktien, die nur deshalb billig auf PEG wirken, weil ihre Bilanz riskant ist oder die Geschaeftsqualitaet schwach ausfaellt. Fuer disziplinierte Anleger ist das meist sinnvoller, als einfach die niedrigste PEG Ratio am Markt zu jagen.

Screener 3: Wachstumsaktien innerhalb eines Sektors vergleichen

Nutzen Sie PEG nur innerhalb eines bestimmten Sektors oder einer Branche, in der die Geschaeftsmodelle vergleichbar sind.

FilterEinstellung
SektorTechnologie oder Healthcare
PEG Ratio< 1,5
EPS-Wachstum (1J)> 12 %
Marktkapitalisierung> 500 Mio. $

Sektorbasierte Screens sind wichtig, weil ein normales Bewertungsniveau bei Software voellig anders aussieht als bei Banken, Industriewerten oder Versorgern.

Jetzt ausprobieren: Oeffnen Sie ScreenerHub Studio, setzen Sie einen PEG-Ratio-Filter unter 1,2 und ergaenzen Sie danach EPS-Wachstum ueber 15 %. So erhalten Sie in unter einer Minute eine erste Liste moeglicher GARP-Kandidaten.

Dieser Stil passt auch gut zu einer disziplinierten Value-Investing-Strategie, weil Sie damit nicht nur fragen, ob ein Unternehmen waechst, sondern auch, ob der aktuelle Marktpreis noch Spielraum nach oben laesst.


Wann die PEG Ratio in die Irre fuehrt

PEG ist gerade deshalb nuetzlich, weil die Kennzahl so einfach ist. Dieselbe Einfachheit schafft aber auch blinde Flecken.

1. Negative oder sehr kleine Wachstumsraten machen die Kennzahl unbrauchbar

Wenn das Gewinnwachstum negativ ist, wird auch die PEG Ratio negativ und verliert ihren Nutzen. Wenn das Wachstum fast bei null liegt, kann PEG extrem hoch ausfallen, ohne dass Ihnen das fuer die Entscheidung wirklich hilft.

2. Analystenschaetzungen koennen zu optimistisch sein

Viele PEG-Berechnungen arbeiten mit erwarteten Wachstumsraten. Dadurch wird die Kennzahl zukunftsgerichtet, aber zugleich haengt sie an Annahmen, die sich nach einem schwachen Quartal schnell aendern koennen.

3. Zyklische Gewinne erzeugen scheinbar billige Aktien

Ein zyklisches Unternehmen auf dem Hoehepunkt seines Gewinnzyklus kann gleichzeitig ein niedriges KGV und eine niedrige PEG Ratio aufweisen, kurz bevor die Gewinne wieder sinken. Die Aktie wirkt dann billiger, als sie tatsaechlich ist.

4. Die Qualitaet der Gewinne bleibt entscheidend

Selbst wenn PEG attraktiv aussieht, muessen Sie pruefen, ob die Gewinne durch echten Cashflow unterstuetzt werden. Schwache Gewinnqualitaet oder Einmaleffekte koennen die Kennzahl verzerren.

5. PEG ignoriert die Kapitalstruktur

Wie das KGV basiert auch PEG auf Eigenkapitalwert und Gewinn. Verschuldungsrisiken werden nicht direkt erfasst. Zwei Unternehmen mit derselben PEG Ratio koennen sehr unterschiedliche Bilanzen haben.

Abhilfe: Kombinieren Sie PEG mit EV/EBITDA, Debt-to-Equity oder je nach Geschaeftsmodell mit Kurs-Umsatz-Verhaeltnis.


PEG Ratio vs. KGV

PEG laesst sich am besten als Erweiterung des KGVs verstehen, nicht als Ersatz.

KennzahlWas sie misstWofuer sie besonders hilfreich istHauptgrenze
KGVKurs im Verhaeltnis zum aktuellen GewinnBreite Bewertungsanalyse profitabler UnternehmenBeruecksichtigt Wachstum nicht
PEG RatioKGV im Verhaeltnis zum GewinnwachstumVergleich profitabler WachstumsaktienHaengt stark von Wachstumsannahmen ab
KUVKurs im Verhaeltnis zum UmsatzUnprofitable oder fruehe WachstumsunternehmenIgnoriert Margen
EV/EBITDAEnterprise Value im Verhaeltnis zum operativen GewinnVergleich von Firmen mit unterschiedlicher VerschuldungWeniger intuitiv fuer Einsteiger

Nutzen Sie das KGV, wenn Sie einen schnellen Bewertungsueberblick brauchen. Nutzen Sie PEG, wenn Wachstum der Kern der Investmentthese ist. Ist ein Unternehmen noch nicht profitabel, sind KUV oder enterprise-basierte Kennzahlen meist sinnvoller.


Haeufig gestellte Fragen

Was ist eine gute PEG Ratio fuer eine Aktie?

Viele Anleger sehen eine PEG Ratio unter 1,0 als attraktiv, etwa 1,0 bis 1,5 als vernuenftig und Werte ueber 2,0 als teuer an. Einen festen Grenzwert gibt es aber nicht. Entscheidend sind die Qualitaet, Haltbarkeit und Glaubwuerdigkeit des Gewinnwachstums.

Ist eine niedrigere PEG Ratio immer besser?

Nein. Eine sehr niedrige PEG Ratio kann eine Chance signalisieren, aber ebenso darauf hinweisen, dass der Markt dem Wachstum nicht traut oder die Gewinne kuenstlich aufgeblasen sind. Pruefen Sie deshalb immer auch Margen, Verschuldung und die Nachhaltigkeit des Wachstums.

Kann die PEG Ratio negativ sein?

Ja. Wenn das Gewinnwachstum negativ ist, kann auch die PEG Ratio negativ werden. In der Praxis bedeutet das meist, dass die Kennzahl fuer Bewertungszwecke kaum noch sinnvoll ist. Wenn Wachstum schrumpft oder Gewinne instabil sind, sollten Sie sich nicht auf PEG allein verlassen.


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