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Was ist die Quick Ratio? Der strengere Liquiditaetscheck fuer Aktien

Grundlagen
8 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Was ist die Quick Ratio?

Die Quick Ratio ist eine Liquiditaetskennzahl, die misst, ob ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten allein mit den liquidesten Vermoegenswerten decken kann, ohne Vorrate einzurechnen.

Quick Ratio=Cash + Marketable Securities + ReceivablesCurrent Liabilities\text{Quick Ratio} = \frac{\text{Cash + Marketable Securities + Receivables}}{\text{Current Liabilities}}

Die Quick Ratio wird oft auch Acid-Test-Ratio genannt, weil sie eine haertere Frage stellt als die Current Ratio: Koennte das Unternehmen seine im naechsten Jahr faelligen Verpflichtungen auch dann bedienen, wenn es Vorrate nicht schnell verkaufen kann?

Kurzfassung: Die Quick Ratio konzentriert sich auf Cash, cashnahe Mittel und Forderungen und laesst Vorrate bewusst weg. Ein Wert ueber 1,0 ist meist ein gutes Zeichen, aber der passende Bereich haengt stark von Branche und Geschaeftsmodell ab. Auf ScreenerHub eignet sich die Kennzahl besonders gut als Sicherheitsfilter zusammen mit Verschuldungs-, Margen- und Cashflow-Kennzahlen.


Warum die Quick Ratio wichtig ist

Nicht alle kurzfristigen Vermoegenswerte sind gleich liquide. Cash kann sofort genutzt werden. Forderungen werden oft innerhalb weniger Wochen zu Geld. Vorrate sind anders: Sie muessen erst verkauft werden, manchmal mit Abschlaegen, und manchmal gar nicht vollstaendig, wenn die Nachfrage sinkt oder Produkte veralten.

Genau deshalb nutzen Anleger die Quick Ratio, wenn sie einen konservativeren Blick auf die kurzfristige Liquiditaet wollen. Ein Unternehmen kann bei der Current Ratio gut aussehen, weil der Vorratsbestand hoch ist. Die Quick Ratio zeigt, ob kurzfristige Verpflichtungen auch ohne diesen Puffer tragbar sind.

Besonders relevant ist das bei zyklischen Unternehmen, Grosshaendlern, Einzelhaendlern, Industriebetrieben und generell dort, wo die Qualitaet der Vorrate schnell kippen kann. Sinnvoll wird die Kennzahl vor allem zusammen mit Debt-to-Equity, Free Cash Flow und Current Ratio.

Quick Ratio vs. Current Ratio

KennzahlWas enthalten istWas sie Ihnen zeigt
Current RatioAlle kurzfristigen Vermoegenswerte inklusive VorrateBreite kurzfristige Deckung
Quick RatioCash, marketable securities und ForderungenStrengere kurzfristige Liquiditaet ohne Vorratsrisiko

Wenn beide Kennzahlen solide aussehen, ist die Liquiditaet meist wirklich robust. Wenn die Current Ratio stark, die Quick Ratio aber schwach ist, tragen die Vorrate moeglicherweise zu viel vom Gesamtbild.


Wie die Quick Ratio berechnet wird

Die gaengigste Formel lautet:

Quick Ratio=Cash + Cash Equivalents + Marketable Securities + Accounts ReceivableCurrent Liabilities\text{Quick Ratio} = \frac{\text{Cash + Cash Equivalents + Marketable Securities + Accounts Receivable}}{\text{Current Liabilities}}

Sie wird auch oft so dargestellt:

Quick Ratio=Current Assets - Inventory - Prepaid ExpensesCurrent Liabilities\text{Quick Ratio} = \frac{\text{Current Assets - Inventory - Prepaid Expenses}}{\text{Current Liabilities}}

Beide Varianten wollen denselben Kern herausarbeiten: die Vermoegenswerte, die kurzfristig realistisch zu Cash werden koennen, ohne auf den Verkauf von Vorraten angewiesen zu sein.

Rechenbeispiel

Nehmen wir ein fiktives Unternehmen, Harbor Parts Group:

PositionWert
Cash und Equivalents70 Mio. USD
Marketable Securities20 Mio. USD
Forderungen85 Mio. USD
Vorrate140 Mio. USD
Current Liabilities150 Mio. USD
Quick Assets175 Mio. USD
Quick Ratio1.17

Das Unternehmen hat 175 Mio. USD an schnellen Vermoegenswerten und 150 Mio. USD an kurzfristigen Verbindlichkeiten:

175150=1.17\frac{175}{150} = 1.17

Harbor Parts Group hat damit 1,17 USD an sehr liquiden Vermoegenswerten fuer jeden 1,00 USD an kurzfristigen Verpflichtungen. Selbst wenn sich Vorrate langsamer als geplant verkaufen, bleibt also noch ein brauchbarer Puffer.


Wie die Quick Ratio zu interpretieren ist

Grundsaetzlich gilt: Eine Quick Ratio ueber 1,0 wird oft als gesund angesehen, weil das Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten ohne Vorratsverkaeufe decken kann. Wie bei fast allen Bilanzkennzahlen haengt die richtige Einordnung aber von der Branche ab.

Allgemeine Einordnung

Quick-Ratio-BereichWas er typischerweise signalisiert
Unter 0,8Enge Liquiditaet; staerkere Abhaengigkeit von Vorratsumschlag oder Zufluessen
0,8 - 1,0Grenzwertig, aber in effizienten Geschaeftsmodellen moeglich
1,0 - 1,5Fuer viele Nicht-Finanzunternehmen oft ein solider Bereich
Ueber 1,5Starke kurzfristige Liquiditaet, teils aber auch zu viel ungenutztes Kapital

Branchenkontext

BrancheTypische Quick RatioWarum
Software / SaaS1,5 - 3,0Hohe Cash-Bestaende und kaum Vorrate stuetzen oft starke Werte
Healthcare1,2 - 2,2Cash-Reserven und Forderungen sind wichtig, Vorrate bleiben kontrollierbar
Industrie0,8 - 1,5Working Capital haengt stark an Forderungen und operativen Zyklen
Retail0,4 - 1,0Schneller Vorratsumschlag macht niedrigere Quick Ratios normal
Basiskonsumgueter0,6 - 1,2Planbare Verkaeufe gleichen geringere Quick Assets oft aus

Kontext ist entscheidend: Eine Quick Ratio von 0,7 kann bei Software schwach wirken, bei einem schnell drehenden Haendler aber voellig normal sein. Vergleichen Sie die Kennzahl mit direkten Peers, nicht mit einer starren Faustregel.

Was eine hohe Quick Ratio bedeuten kann

Eine sehr hohe Quick Ratio ist nicht automatisch bullish. Sie kann auch bedeuten, dass zu viel Cash ungenutzt herumliegt, Forderungen zu langsam eingezogen werden oder Kapital nicht effizient reinvestiert wird. Deshalb lohnt sich der Blick zusammen mit Renditekennzahlen wie ROE oder ROIC.


Wann die Quick Ratio in die Irre fuehrt

Die Quick Ratio ist nuetzlich, aber nicht perfekt.

1. Forderungen sind nicht dasselbe wie Cash

Forderungen zaehlen zu den Quick Assets, aber Kunden koennen spaet zahlen oder ausfallen. Ein Unternehmen kann also trotz guter Quick Ratio unter Cash-Druck geraten, wenn die Qualitaet der Forderungen schwach ist.

2. Die Kennzahl ignoriert den Zeitverlauf innerhalb des Jahres

Die Ratio basiert auf einem Bilanzstichtag. Sie zeigt nicht, ob grosse Zahlungen schon naechste Woche oder erst in neun Monaten anfallen, und saisonale Schwankungen bildet sie nur begrenzt ab.

3. Sie kann starke Retailer zu streng beurteilen

Einige Handels- und Lebensmittelgeschaefte arbeiten bewusst mit niedrigen Quick Ratios, weil sich Vorrate extrem schnell drehen. Wer Vorrate komplett ausblendet, macht diese Modelle manchmal schlechter, als sie wirklich sind.

4. Sie sagt nichts ueber Profitabilitaet aus

Kurzfristige Liquiditaet ist hilfreich, sagt aber nichts darueber aus, ob das Unternehmen attraktive Renditen erzielt oder nachhaltig Cash generiert. Ein Unternehmen kann das naechste Jahr gut ueberstehen und trotzdem langfristig ein schlechtes Investment sein.


Die Quick Ratio im Stock Screener

Auf ScreenerHub funktioniert die Quick Ratio am besten als defensiver Filter. Sie hilft, Unternehmen auszusortieren, die nur deshalb stabil wirken, weil Vorrate die Current Ratio kuenstlich aufbessern.

Screener 1: Konservativer Bilanzcheck

FilterEinstellung
Quick Ratio> 1,0
Debt-to-Equity< 1,0
Free Cash FlowPositiv

Dieser Screen sucht Unternehmen mit liquiden Vermoegenswerten, kontrollierbarer Verschuldung und echtem Cashflow. Das ist ein sinnvoller Startpunkt fuer defensive Anleger.

Screener 2: Qualitative Industriewerte

FilterEinstellung
SektorIndustrials
Quick Ratio> 0,9
ROIC> 10 %
Gross Margin> 20 %

Damit finden Sie Industrieunternehmen, die Working-Capital-Druck aushalten und trotzdem ordentliche Kapitalrenditen erzielen.

Screener 3: Sicherere Value-Kandidaten

FilterEinstellung
KGV8 - 18
Quick Ratio> 1,0
Earnings Growth> 0 %

Eine Quick-Ratio-Untergrenze verringert das Risiko, eine Aktie zu kaufen, die nur deshalb billig aussieht, weil sich bilanzielle Spannungen noch nicht voll in anderen Kennzahlen zeigen. Das passt gut zu einer disziplinierten Value-Investing-Strategie.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - Quick-Ratio-Filter ueber 1,0, kombiniert mit Debt-to-Equity und Free-Cash-Flow] -->

Diesen Screen in ScreenerHub ausprobieren: Quick Ratio > 1,0 →


Haeufige Fehler bei der Nutzung der Quick Ratio

  1. So zu tun, als haetten Vorrate gar keinen Wert. Die Quick Ratio ist bewusst streng, aber in manchen Geschaeftsmodellen sind Vorrate sehr liquide.
  2. 1,0 als starre Universalgrenze zu behandeln. Der Branchenkontext ist zu wichtig, um ihn zu ignorieren.
  3. Die Qualitaet der Forderungen zu uebersehen. Schwache Einzugsquoten koennen eine gute Ratio entwerten.
  4. Die Kennzahl isoliert zu nutzen. Ohne Profitabilitaet und Cashflow fehlt der Rest des Bildes.
  5. Unternehmen mit sehr unterschiedlichen operativen Zyklen direkt zu vergleichen. Retail, Software und Industrie brauchen unterschiedliche Massstaebe.

Haeufig gestellte Fragen

Was ist eine gute Quick Ratio fuer eine Aktie?

Fuer viele Nicht-Finanzunternehmen gilt eine Quick Ratio ueber 1,0 als gesund. Der passende Bereich haengt aber von Branche, Geschaeftsmodell und Planbarkeit der Cash-Zufluesse ab. Ein Haendler kann sicher unter 1,0 arbeiten, waehrend bei einem Softwareunternehmen oft deutlich mehr Puffer erwartet wird.

Wie unterscheidet sich die Quick Ratio von der Current Ratio?

Die Current Ratio umfasst alle kurzfristigen Vermoegenswerte inklusive Vorrate. Die Quick Ratio rechnet Vorrate heraus und konzentriert sich auf Cash, marketable securities und Forderungen. Dadurch ist die Quick Ratio der strengere Test der kurzfristigen Liquiditaet.

Kann die Quick Ratio negativ sein?

Unter normalen Umstaenden nicht. Quick Assets und Current Liabilities sind normalerweise positive Groessen, daher ist die Kennzahl meist null oder positiv. Ein negativer Wert deutet in der Regel auf ein Datenproblem oder eine ungewoehnliche Bilanzklassifikation hin.

Warum heisst die Quick Ratio auch Acid-Test-Ratio?

Der Name soll ausdruecken, dass die Kennzahl ein haerterer Liquiditaetstest ist. Anstatt dem Unternehmen Vorrate gutzuschreiben, fragt sie, ob kurzfristige Verpflichtungen allein mit den liquidesten Vermoegenswerten tragbar sind.

Sollte ich die Quick Ratio im Screener allein verwenden?

Meist nicht. Am besten funktioniert sie zusammen mit Verschuldungs-, Profitabilitaets- und Cashflow-Filtern wie Debt-to-Equity, Free Cash Flow und ROE.


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