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Wie man technische Filter in einem Aktien-Screener nutzt: Eine praktische Anleitung mit ScreenerHub

Anleitungen
9 Min. Lesezeit
Von ScreenerHub Team

Wie man technische Filter in einem Aktien-Screener nutzt

Technische Filter helfen dir, eine Aktienliste nach Trend, Momentum und Marktverhalten einzugrenzen. Statt nur nach Bewertung oder Unternehmensqualitaet zu screenen, fuegst du Signale wie RSI, gleitende Durchschnitte, Relative Staerke oder die 52-Wochen-Spanne hinzu, um Aktien zu finden, die gerade auch technisch ein interessantes Setup bieten.

Viele Anleger starten nur mit Fundamentaldaten. Sie screenen nach guenstiger Bewertung, starken Margen oder schnellem Umsatzwachstum und wundern sich dann, warum die Ergebnisliste trotzdem beliebig wirkt. Oft fehlt die technische Ebene. Ein Unternehmen kann auf dem Papier attraktiv aussehen, waehrend die Aktie noch in einem schwachen Abwaertstrend steckt, institutionelle Unterstuetzung verliert oder weit unter wichtigen Unterstuetzungszonen handelt.

Technische Filter ersetzen die Unternehmensanalyse nicht. Sie verbessern Timing, Kontext und Priorisierung. Richtig eingesetzt helfen sie dir, zwischen einer "guten Firma" und einer "guten Firma mit brauchbarem Setup" zu unterscheiden.

Kurzfassung: Starte mit einem Trendfilter wie Kurs ueber dem 200-Tage-Durchschnitt, ergaenze einen Momentum-Filter wie RSI oder Relative Staerke, und behalte dann ein oder zwei fundamentale Filter zur Qualitaetssicherung. Auf ScreenerHub ergibt das einen wiederholbaren Workflow, um bessere Setups zu finden, ohne in Indikator-Ueberladung zu geraten.


Was technische Filter tatsaechlich leisten

Technische Filter messen, was der Markt gerade mit dem Kurs einer Aktie macht. Sie beantworten Fragen, die Fundamentaldaten allein nicht beantworten koennen:

  • Befindet sich die Aktie in einem Auf- oder Abwaertstrend?
  • Wird das Momentum staerker oder schwaecher?
  • Ist die Aktie nach einer starken Bewegung ueberdehnt?
  • Konsolidiert sie in einem gesunden Trend oder bricht sie weg?

Dadurch sind technische Filter besonders nuetzlich fuer Anleger, die mehr wollen als nur eine rohe Liste statistisch guenstiger oder schnell wachsender Unternehmen. Sie helfen dir, dich auf Aktien zu konzentrieren, bei denen das Marktverhalten deine These stuetzt, statt gegen sie zu arbeiten.

FiltertypWas er misstTypischer Nutzen im Screener
TrendfilterRichtung des KurstrendsNur Aktien in etablierten Aufwaertstrends halten
Momentum-FilterTempo und Staerke der KursbewegungBreakouts, Pullbacks oder ueberverkaufte Setups finden
PositionsfilterWo der Kurs innerhalb der letzten Spanne liegtZeigt Naehe zu Hochs oder Tiefs
BestaetigungKursverhalten relativ zum Markt oder SektorMarktstaerkere Aktien priorisieren

Wenn du beim Screening noch am Anfang stehst, lies zuerst Stock Screening for Beginners. Wenn die Grundlagen sitzen, sind technische Filter oft der naechste Schritt, der einen Screener deutlich nuetzlicher macht.


Die 4 technischen Filter, die die meisten Anleger zuerst lernen sollten

Du brauchst keine zehn Indikatoren. In den meisten Faellen genuegen vier technische Filtertypen.

1. Gleitende Durchschnitte fuer die Trendrichtung

Gleitende Durchschnitte sind der sauberste erste technische Filter, weil sie die wichtigste Frage zuerst beantworten: befindet sich die Aktie ueberhaupt in einem Aufwaertstrend?

Hauefige Anwendungen:

  • Kurs ueber dem 200-Tage-SMA fuer die langfristige Trendbestaetigung
  • Kurs ueber dem 50-Tage-SMA fuer mittelfristige Staerke
  • 50-Tage-SMA ueber dem 200-Tage-SMA fuer eine breiter bullische Struktur

Wenn dein Screen fundamental attraktive Aktien findet, aber viele Charts immer noch schwach aussehen, ist ein Moving-Average-Filter meist die schnellste Verbesserung.

2. RSI fuer den Momentum-Zustand

RSI zeigt, ob die juengste Kursbewegung ueberdehnt wirkt. Das ist hilfreich, weil der RSI nicht nur den Trend beschreibt, sondern auch das aktuelle Setup einordnet.

Praktische Bereiche:

  • RSI unter 30 fuer ueberverkaufte Rebound-Kandidaten
  • RSI zwischen 45 und 60 fuer konstruktives, ruhiges Momentum
  • RSI zwischen 55 und 70 fuer trendfolgende Screens
  • RSI ueber 70 als Warnsignal fuer moeglich ueberdehnte Aktien

Am wirkungsvollsten ist der RSI in Kombination mit einem Trendfilter. Ueberverkaufte Aktien in intakten Aufwaertstrends sind etwas voellig anderes als ueberverkaufte Aktien in kollabierenden Abwaertstrends.

3. Relative Staerke fuer Marktführerschaft

Relative Staerke hilft dir, Aktien zu finden, die besser laufen als der Gesamtmarkt oder ihre Vergleichsgruppe. Das ist wichtig, weil starke Aktien oft laenger stark bleiben, als die meisten Anleger erwarten.

Nutze diesen Filter, wenn du Marktführer priorisieren willst statt nur guenstige Ruecksetzer zu suchen. Besonders hilfreich ist er bei Momentum-Strategien und in sehr breiten Aktienuniversen, in denen sonst zu viele Namen dieselben fundamentalen Kriterien erfuellen.

4. 52-Wochen-Spanne fuer die Kursposition

52-Wochen-Hoch- und Tief-Filter zeigen dir, wo der aktuelle Kurs innerhalb seiner juengsten Handelsspanne liegt.

Damit erkennst du schnell, ob eine Aktie:

  • in Richtung neuer Hochs ausbricht,
  • nahe staerkerer Niveaus konsolidiert,
  • oder nach starkem Verkaufsdruck am unteren Ende ihrer Spanne notiert.

Allein ist das kein Kaufsignal, aber es liefert starken Kontext. Eine Aktie nahe dem 52-Wochen-Hoch mit steigendem Umsatzwachstum ist ein voellig anderes Setup als eine Aktie nahe dem 52-Wochen-Tief mit schwachen Gewinnen.


So kombinierst du technische Filter, ohne den Screen zu ueberladen

Der haeufigste Fehler ist, zu viele Indikatoren zu stapeln. Ein guter technischer Screen bleibt meist einfach.

Nutze diese Struktur:

EbeneZweckBeispiel
TrendfilterDie Marktstruktur auf deine Seite holenKurs > 200-Tage-SMA
Momentum-FilterDas gewuenschte Setup definierenRSI 50-70
Business-FilterSchwache Firmen mit huebschen Charts vermeidenUmsatzwachstum > 5 %
LiquiditaetsfilterDuenne, verrauschte Namen entfernenMarktkapitalisierung > $500M

Dieses Geruest funktioniert, weil jeder Filter eine andere Aufgabe uebernimmt. Der Trendfilter sagt, dass die Aktie strukturell gesund ist. Der Momentum-Filter sagt, dass das aktuelle Setup zu deinem Ziel passt. Der Business-Filter verhindert, dass du nur nach Charts ohne Substanz screentest. Der Liquiditaetsfilter haelt die Treffer investierbar.

Als Faustregel startest du mit einem Trendfilter, einem Momentum-Filter und ein oder zwei fundamentalen Filtern. Fuege nur dann mehr hinzu, wenn du genau weisst, welchen Mehrwert der zusaetzliche Filter bringt.


3 technische Screens, die du sofort bauen kannst

Hier sind drei praktische Setups, die du heute direkt in ScreenerHub nachbauen kannst.

Screener 1: Trendfolgende Qualitaetsaktien

Das ist der beste Standard-Startpunkt fuer Anleger, die starke Charts wollen, ohne die Unternehmensqualitaet aus dem Blick zu verlieren.

FilterOperatorWert
Kurs vs 200-Tage-SMAOberhalb-
Kurs vs 50-Tage-SMAOberhalb-
RSI (14 Tage)Zwischen50 und 70
Umsatzwachstum (YoY)Groesser als5 %
MarktkapitalisierungGroesser als$500M

Warum das funktioniert: Du bleibst in etablierten Aufwaertstrends und filterst gleichzeitig ueberdehnte Extreme sowie minderwertige Micro Caps heraus.

Am besten fuer: Anleger, die eine Shortlist von Aktien wollen, die sich am Markt bereits stark verhalten.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - trendfolgender technischer Screen mit Kurs ueber 50-Tage- und 200-Tage-Durchschnitt sowie RSI-Filter] -->

Screener 2: Ruecksetzer im Aufwaertstrend

Dieses Setup sucht Aktien, die technisch gesund bleiben, aber genug abgekuehlt haben, um genauer untersucht zu werden.

FilterOperatorWert
Kurs vs 200-Tage-SMAOberhalb-
RSI (14 Tage)Zwischen35 und 50
Relative StaerkeGroesser alsMarktdurchschnitt
BruttomargeGroesser als20 %
MarktkapitalisierungGroesser als$1B

Warum das funktioniert: Du vermeidest es, Aktien nach starken Kurzfrist-Rallyes hinterherzulaufen, bleibst aber trotzdem in Namen mit technischer und wirtschaftlicher Staerke.

Am besten fuer: Anleger, die lieber konstruktive Schwaeche kaufen als Breakouts zu jagen.

Screener 3: Ueberverkaufte Qualitaets-Rebounds

Dieses Setup ist selektiver und taktischer. Es sucht Aktien, die stark verkauft wurden, aber weiterhin Mindeststandards bei der Unternehmensqualitaet erfuellen.

FilterOperatorWert
RSI (14 Tage)Kleiner als30
Kurs vs 200-Tage-SMAOberhalb oder nahe-
KGVZwischen5 und 30
ROEGroesser als10 %
MarktkapitalisierungGroesser als$1B

Warum das funktioniert: Die klassische Idee "ueberverkauft" wird auf Aktien eingegrenzt, die weiterhin genug Qualitaet fuer eine vertiefte Analyse mitbringen.

Am besten fuer: Anleger, die Rebound-Setups suchen, ohne den gesamten Schrottbereich des Marktes zu screenen.

Direkt ausprobieren: Starte im Screener Studio, fuege zuerst RSI hinzu, wenn du einen Pullback- oder Oversold-Screen bauen willst, oder beginne mit Moving-Average-Filtern, wenn dir die Trendrichtung am wichtigsten ist.


Schritt fuer Schritt: Einen technischen Filter-Screen in ScreenerHub bauen

Schritt 1: Oeffne das Screener Studio

Gehe ins Screener Studio. Dort suchst du nach Feldern, kombinierst Bedingungen und verfeinerst die Ergebnisse.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - leerer Screen Builder mit geoeffneter Suche zum Hinzufuegen eines Filters] -->

Schritt 2: Waehle zuerst das Marktverhalten, das du suchst

Entscheide zunaechst, ob du:

  • trendfolgende Aktien,
  • Ruecksetzer in starken Trends,
  • oder ueberverkaufte Rebound-Kandidaten

finden willst.

Diese Entscheidung ist wichtig, weil derselbe Indikator je nach Screen etwas anderes bedeuten kann. Ein RSI von 28 ist in einem Rebound-Screen interessant, in einem reinen Trendfolge-Screen aber oft eher ein Warnsignal.

Schritt 3: Fuege einen Trendfilter hinzu

Starte mit einem strukturellen Filter wie:

  • Kurs ueber dem 200-Tage-SMA
  • Kurs ueber dem 50-Tage-SMA
  • 50-Tage-SMA ueber dem 200-Tage-SMA

So entfernst du viele schwache Charts, bevor du Zeit auf sie verwendest.

Schritt 4: Fuege einen Momentum-Filter hinzu

Dann ergaenze eine Bedingung, die zu deinem Setup passt:

  • RSI 50-70 fuer aktives Momentum
  • RSI 35-50 fuer kontrollierte Ruecksetzer
  • RSI < 30 fuer ueberverkaufte Kandidaten
  • Relative Staerke ueber Durchschnitt fuer Marktführer

Wenn sich deine Trefferliste noch zu breit anfuehlt, ist das meist die Ebene, die sie wirklich schaerfer macht.

<!-- [SCREENSHOT: ScreenerHub Studio - Trendfilter und RSI-Filter gemeinsam im Builder sichtbar] -->

Schritt 5: Fuege ein oder zwei Fundamentaldaten hinzu

Auch wenn du technische Filter nutzt, brauchst du einen Mindeststandard fuer das Unternehmen. Sinnvolle Ergaenzungen sind:

  • Umsatzwachstum
  • Bruttomarge
  • ROE
  • Marktkapitalisierung

So bleibt dein Screen auf Aktien fokussiert, die du nach dem technischen Setup auch wirklich weiter analysieren willst.

Schritt 6: Sortiere die Ergebnisse mit klarer Absicht

Wenn die Liste laeuft, sortiere nach dem Kriterium, das zu deinem Ziel passt.

Sortierung nachWas du damit besser erkennst
Relative StaerkeMarktführer
RSIDie staerksten oder am meisten gedehnten Setups
MarktkapitalisierungEtabliertere Namen
UmsatzwachstumBesseres operatives Momentum

Hier wird Screening wirklich praktisch. Du pruefst nicht mehr alles, sondern zuerst die relevantesten Setups.

Schritt 7: Speichere den Screen und kehre regelmaessig zurueck

Wenn die Trefferliste sinnvoll aussieht, speichere den Screen und lege die interessantesten Namen in einer Watchlist ab. Spaeter kannst du den Screen manuell erneut aufrufen oder mit dem Monitoring Lab verbinden, wenn du verfolgen willst, wann eine Aktie in dein bevorzugtes technisches Setup hinein- oder herauslaeuft.


Haeufige Fehler beim Einsatz technischer Filter

  1. Indikatoren ohne klares Ziel zu verwenden. Jeder Filter sollte eine konkrete Frage beantworten.
  2. Zu viele Indikatoren zu kombinieren. Mehr Filter erzeugen oft mehr Rauschen statt mehr Praezision.
  3. Fundamentaldaten komplett zu ignorieren. Ein starker Chart macht kein schwaches Unternehmen gut.
  4. Ueberverkauft automatisch bullisch zu deuten. Ueberverkaufte Aktien koennen laenger schwach bleiben als gedacht.
  5. Ohne Liquiditaetsfilter zu screenen. Duenne Titel koennen Signale und Ergebnisse stark verfaelschen.

Haeufig gestellte Fragen

Mit welchem technischen Filter sollte ich anfangen?

Fuer die meisten Anleger ist ein Moving-Average-Trendfilter der beste Start. Er entfernt strukturell schwache Charts, bevor du dich mit Momentum-Details beschaeftigst.

Sollte ich RSI oder gleitende Durchschnitte verwenden?

Meistens beides, aber fuer unterschiedliche Aufgaben. Gleitende Durchschnitte definieren den Trend. RSI hilft dir, das Setup innerhalb dieses Trends einzuordnen. Genau deshalb ergaenzen sich beide gut.

Kann man technische Filter auch fuer langfristiges Investieren nutzen?

Ja. Langfristige Anleger verwenden technische Filter oft, um Kaeufe in anhaltenden Abwaertstrends zu vermeiden oder bessere Einstiegszeitpunkte innerhalb langfristiger Aufwaertstrends zu finden.

Reichen technische Filter allein aus?

Nein. Technische Filter funktionieren am besten als Entscheidungshilfe oberhalb von Unternehmensqualitaet, Bewertung und Risikoanalyse. Screening sagt dir, was als Naechstes genauer untersucht werden sollte. Es ersetzt diese Untersuchung nicht.